Eternal Spring

April 15, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute vor 260 Jahren ist die Malerin Rosalba Carriera gestorben, eine Meisterin der Pastellmalerei. Sie hat mit Miniaturen begonnen und hat Tabakdosen für Schnupftabak bemalt. Wenn Sie den Post ➱Dollarnoten, in dem man Joshua Reynolds mit seiner Schnupftabakdose sehen kann, gelesen haben, dann wissen Sie, welche Bedeutung diese Tabakdosen damals hatten. Dieses Bild von Rosalba Carriera heißt Frühling. Wohl wegen der Blumen. Ist aber nicht so recht überzeugend, wenn wir an ➱Botticellis schöne Frühlingsbilder denken.

Unser Frühling lässt noch auf sich warten. In England ist er offensichtlich schon weiter. Dies Photo hat mir die Daniela letzte Woche aus Richmond geschickt. Da gibt es, wie wir hier lesen können, ein Spring House, ein Haus für den Frühling. Mit viel mehr Flora als bei Rosalba Carriera. Bei dem Wort spring fiel mir eine Gedichtszeile ein, in der eternal spring vorkam, aber ich konnte sie nicht zuordnen. Ich testete das Internet und erfuhr, dass das Gedicht City of Eternal Spring von Afaa M. Weaver vor Jahren auf der Liste des amerikanischen Poetry Month stand. Und dass Medellín die City of Eternal Spring genannt wird. All das half mir nicht weiter.

Ich wollte es schon aufgeben, doch ich dachte mir, wenn ich das tue, dann schlafe ich schlecht. Und da hatte ich die Idee, meinen eigenen Blog zu testen.  Der ist ja schon eine Art Lexikon geworden. Und siehe da, da steht ein Gedicht, in dem sich eternal spring findet. In einem Uhrenpost, der den etwas rätselhaften Namen ➱Groschmann Dägi hat. Das Gedicht ist von Elizabeth Macklin, es wurde einmal im New Yorker abgedruckt. Den New Yorker las ich damals regelmäßig, weil ➱Peter Gutkind ihn mir immer zuschickte, wenn er ihn gelesen hatte. Ich fand das Uhrengedicht von Elizabeth Macklin damals sehr schön (Before they became mysterious and quartz, we longed to learn the workings of watches: eternal spring!) und schrieb es mir ab. Jahre später las ich in dem Schweizer Magazin Du ein Preisrätsel der IWC. Nicht in diesem Heft, das habe ich nur abgebildet, weil das ein sehr gutes Heft über ➱John le Carré ist.

In einem langen Text in dem Heft aus dem Jahre 1997 waren zehn Zitate versteckt, die sollte man herausbekommen. Mit Titel und Autor. Ich erkannte sofort das Gedicht von Elizabeth Macklin und dachte mir, dass niemand das kennen würde. Alles andere würde ein Klacks sein (war es nicht). Es war ein früher Sonntagmorgen, ich trank noch meinen Tee und begann gerade, mir eine Pfeife zu stopfen. Es wurde ein three pipe problem, wie ➱Sherlock Holmes gesagt hätte. Ich hatte keinen Computer, und ich glaube, mein Seminar hatte vor zwanzig Jahren auch noch keinen. Am Abend war meine Wohnung verwüstet, aber ich hatte beinahe alles gelöst. Am nächsten Tag war Einsendeschluss. Wenn Sie es selbst probieren möchten, hier ist der ➱Originaltext (aber bitte ohne Computer). Um die Geschichte kurz zu machen: ich war der einzige, der alles lösen konnte und gewann den ersten Preis des Jubiläumspreisrätsels der IWC. Diese Uhr da oben, auch nach zwanzig Jahren noch ein cooles Teil. Kostete damals beinahe so viel wie zwei ➱Rolex Uhren.

In den nächsten Jahren habe ich diese IWC GST, die extra für mich gemacht worden ist, in jedem Lyrikseminar einmal hochgehalten und den Studies gesagt, dass man so etwas nur gewinnen kann, wenn man ganz viele Gedichte liest. Und das war ja nicht gelogen. Und natürlich hätte ich das Lösen des Preisrätsels gar nicht erst angefangen, hätte ich nicht das Gedicht von Elizabeth Macklin erkannt. Dann hätte ich meine Pfeife geraucht, die ➱Zeit und den Observer gelesen. Aber nicht meine Bibliothek auf der Suche nach Zitaten verwüstet. Ich bin Elizabeth Macklin immer noch dankbar. Und ich habe diesen Post mit der IWC am Handgelenk geschrieben. Falls einer meiner Leser zufällig Elizabeth Macklin kennt, dann möge er ihr doch erzählen, dass es hier einen Blogger gibt, der ein Monster aus hochpoliertem Edelstahl am Arm hat, nur weil ihm die Zeilen Before they became mysterious and quartz, we longed to learn the workings of watches: eternal spring! so gut gefallen haben. Und deshalb gibt es heute ein Gedicht von der Frau, deren Lyrik der The New Yorker 1992 als graceful and halting, quartzlike in precision beschrieb. Es hat den Titel Wise:

I am in awe

of what I feel about you

if I let myself feel.

I have no argument with it.

I want to go on with this

marvel of not having

to disguise a thing:

I’ve gotten wise,

they used to say

in my parents’ generation

in another style,

as wise moved along over time

getting smaller and smaller,

farther outside, and outsized.

Like the music I used to run from the room from

as soon as it started to wail from the hi-fi

before I was ever in love,

eager for the outside opinion.

Desires change over time,

and myself, I am in awe,

and disguise one thing.

Mido Multifort Powerwind

Januar 24, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Irgendein Leser klagt immer. Zu viel über ➱Schuhe, zu wenig über ➱Filme. Und so weiter. Über Uhren gab es lange Zeit nichts (➱Marinechronometer war das letzte), das wollen wir mal eben ändern. Also schreibe ich einmal über die Uhr, die in den letzten Tagen an meinem Handgelenk war. Eine Mido Multifort Powerwind aus den frühen fünfziger Jahren. Die Firma Mido, die der Schweizer Uhrmacher Georges Schaeren vor beinahe hundert Jahren gegründet hatte (wenig später wechselte sein Bruder Henri von der Omega zur Firma des Bruders), gibt es heute immer noch. Sie hat aber nichts mehr mit der alten Firma zu tun. Nach der Quarzkrise gibt es nur noch ganz wenige Uhrenfirmen in der Schweiz, die ein Familienunternehmen sind. Oder im Besitz der Gründerfamilie sind.

Als ich die Mido Multifort Powerwind kaufte, sagte ich zu dem Flohmarkthändler: Igitt, das Werk ist ja ganz schwarz. Es war nicht nur schwarz, es schimmerte auch noch leicht violett. Wenn man vergoldete Werke oder blitzblanke Werke aus Neusilber gewöhnt ist, dann ist dieses violette Schwarz richtig fies. Der Händler versicherte mir, dass die Uhr frisch vom Uhrmacher komme. Das erzählen einem auf dem ➱Flohmarkt alle Händler, aber da ich Herrn Brandt seit über zwanzig Jahren kenne, glaubte ich ihm. Er würde mich nicht betrügen.

Die schwarz-violette Farbe des Werks war eine Rhodinierung, eine Sonderausführung des Kalibers 917P, das Mido am Anfang der 1950er Jahre auf den Markt gebracht hatte. Es ist kein echtes Manufakturwerk, es wurde (wie viele andere Mido Werke) in Zusammenarbeit von Mido und der Firma AS (lesen Sie ➱hier mehr zu dieser Firma) entwickelt. Alle Automatikwerke von Mido sind durch diese Kooperation entstanden – bei Handaufzugwerken arbeitete Mido mit Peseux zusammen.

Wenn eine Uhrenfabrik ihre Werke von Firmen wie AS oder ETA (oder kleineren Herstellern) bezieht, dann lässt man sich den Namen auf die Platine oder den Rotor gravieren. Das ist ähnlich wie bei den Jacketts und Anzügen, die die ➱Herrenausstatter als Private Label verkaufen. Doch so etwas war Mido nicht genug, es musste schon etwas Besonderes sein, etwas, was die Konkurrenz nicht hatte. Wie ein schwarz rhodiniertes Automatikwerk. Oder ein Handaufzugswerk, das man mit Goldanker und goldenem Ankerrad bekommen konnte. So etwas gab es früher einmal bei Lange & Söhne, das ist schon etwas Besonderes. Dies Werk hier kommt übrigens von Peseux, es ist der Vorläufer von dem Uhrwerk, das heute in jeder ➱Nomos drin ist. Die Uhr ist ja neuerdings Kult. Wenn man schamlos ein Zifferblatt einer Lange Armbanduhr aus den 1930er Jahren kopiert und ein Peseux, das früher in jeder Dugena war, auf Manufakturwerk frisiert, dann braucht man nur noch eine gute Werbeabteilung.

Das Kaliber 917P gab es nicht nur in einer Sonderausführung mit schwarzer Rhodinierung, es gab es auch mit einer Incastar Feinregulierung. Die wird schon in dem Post ➱Rolex erwähnt, die hat mein Werk leider nicht. Aber da ich andere Uhren mit dieser Feinregulierung habe, vermisse ich sie hier nicht. Die Incastar Feinregulierung der Firma Portescap (die auch die Incabloc Stoßsicherung erfunden hatte) kam Ende der vierziger Jahre auf den Markt. Es ist eine geniale Konstruktion, bei der wir anstelle des Rückers und des Spiralklötzchens eine freischwingende Unruhspirale haben, die am Ende von zwei drehbaren Röllchen gehalten wird. Die Röllchen können Sie hier sehr gut sehen. Eine Vielzahl von Schweizer Firmen baute die Feinregulierung von Incastar in ihre Uhren ein, die sich aber à la longue als zu teuer erwies. Mido hatte diese Feinregulierung schon in dem Vorläufer des sogenannten Powerwind Werkes (das noch eine ➱Hammerautomatik war) verwendet. Denn die Multifort, die ein Automatikwerk besaß, wasserdicht, antimagnetisch und stoßgesichert war, gab es schon seit dem Jahre 1934. Ein solches Uhrwerk ist heute selbstverständlich, aber damals boten nur wenige Schweizer Firmen eine solche Uhr an.

Das 917P ist mit einer Incabloc Stoßsicherung und einer ➱Glucydur Unruhe ausgestattet. Es ist ein solides, robustes Werk, wenn Sie es einmal bei der Arbeit sehen wollen, dann klicken Sie ➱hier. Das Werk besitzt einen sehr effizienten Rotor, der das Werk beidseitig aufzieht. Dies ist die Rückseite des Werkes. Sie wird deshalb hier gezeigt, damit man die wirklich exzentrische Winkelhebelfeder bewundern kann (das ist das hellgraue Teil unter der goldfarbenen Mitte).

Das 917P ist nicht nur solide und robust, es ist auch ein sehr einfaches Werk. Es hat nichts von der konstruktiven Eleganz eines ➱EternaMatic Werks oder des ➱8541 der IWC. Man bewarb es 1954 mit der Aussage, dass die Automatikbaugruppe statt aus sechzehn Teilen nur aus sieben Teilen besteht. Aber diese sieben Teile arbeiten nach über sechzig Jahren noch hervorragend. Wenn Sie eine Rolex vom Anfang der fünfziger Jahre haben sollten, dann haben sie heute Probleme. Rolex repariert die nicht mehr und unterstützt den Sammler in keiner Weise (im Gegensatz zu Firmen wie ➱IWC und ➱Omega). Eine Mido Multifort Powerwind repariert Ihnen jeder Uhrmacher.

Es ist eine knuffige Uhr, für ihre Zeit mit einem 35 mm Gehäuse recht groß. Natürlich ist sie ganz aus Edelstahl und hat einen massiven Schraubboden. Dies Bild hier habe ich mir bei Dr Ranfft gemopst, ohne dessen ➱Verzeichnis aller Uhrwerke der Welt Uhrensammler verloren wären. Es gibt bei ihm auch ➱Auktionen mit vielen Uhren, die zu interessanteren Preisen als bei ebay angeboten werden. Meine Mido hat kein fieses graues Band, meine Mido hat ein schlichtes hellbraunes Lederband. Von Audemars Piguet, man gönnt sich ja sonst nichts. Ich habe das Band vor Jahrzehnten für fünf Mark auf dem Flohmarkt gekauft. Die AP Schließe war da nicht mehr dran, die hatte der Händler gerade für 150 Mark verkauft. Uhren zu sammeln, bringt einen in eine seltsame Welt.

Marinechronometer

November 6, 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

 

‚Weshalb ich hier noch nie über ➱Captain Cook geschrieben habe, weiß ich nicht, aber das kommt vielleicht noch einmal‘, habe ich in dem Post ➱Georg Forster vor drei Jahren geschrieben. Ich mache das mal heute wahr und schreibe ein wenig über Captain James Cook. Ich habe natürlich alles gelesen, was Georg Forster und der Matrose Heinrich Zimmermann aus Wiesloch (Bild) über Cooks Reise um die Welt geschrieben haben. Und noch ein klein wenig mehr. Ich habe nämlich vor Jahrzehnten einmal ein Seminar über ➱Herman Melvilles Südseeabenteuer und die Südsee in der amerikanischen Literatur gemacht und hatte mich damals ordentlich vorbereitet. Das steht, zusammen mit Beleidigungen von Frau Schavan, schon in dem lesenswerten Post ➱Georg Forster. Ich schreibe heute auch noch über Herrn Zimmermann, aber das ist ein anderer, ich glaube die beiden sind nicht verwandt.

Dieser Herr hier ist ein klein wenig eleganter als unser Matrose aus Wiesloch, es ist niemand anderer als der Kapitän James Cook. Was wären Neuseeland und Australien ohne ihn? Wir alle kennen die Geschichte seiner Entdeckungen, und wenn nicht, dann kann ich den hervorragenden deutschen Ausstellungskatalog James Cook und die Entdeckung der Südsee sehr empfehlen. Wir sehen auf diesem Portrait von Nathaniel Dance-Holland (der schon einmal in ➱18th century: Fashion erwähnt wird), dass Cook keine Taschenuhr trägt. Und auch im ganzen Zimmer ist kein Zeitmesser zu sehen. Dabei haben Uhren im Leben von Captain Cook eine wichtige Rolle gespielt, wie der australische Dichter Kenneth Slessor wusste:

Two chronometers the captain had,

One by Arnold that ran like mad,

One by Kendal in a walnut case,

Poor devoted creature with a hangdog face.

Dieses Bild von John Olsen ist eine ➱Hommage an Kenneth Slessor, dessen Gedicht Five Bells ihn zu einem riesigen Wandgemälde inspirierte, das heute das Opernhaus von Sydney ziert. Es ist ein abstraktes Bild, obgleich der Künstler sagt: I have never painted an abstract painting in my life und das Bild lieber als an exploration of the totality of landscape sehen will. Das neue Opernhaus in Sydney können wir auch in den letzten Szenen von Promised Land, einer Folge der ➱Inspector Morse Krimis sehen. Wenn Sie das etwas weit hergeholt finden, so habe ich doch einen Grund auf den Chief Inspector Morse hinzuweisen. Wir wissen, dass er Endeavour heißt, wie das Schiff von Captain James Cook. Und Schiff und Kapitän spielen auch in Kenneth Slessors Gedicht ➱Five Visions of Captain Cook eine Rolle.

Aber zurück zu Five Bells, dem bekanntesten und berühmtesten Gedicht von Slessor, ich zitiere einmal die erste Strophe:

Time that is moved by little fidget wheels 

Is not my time, the flood that does not flow. 

Between the double and the single bell 

Of a ship’s hour, between a round of bells 

From the dark warship riding there below, 

I have lived many lives, and this one life 

Of Joe, long dead, who lives between five bells.

Sie können das Gedicht ➱hier ganz lesen. Der Joe, der hier angesprochen wird, ist der Cartoonist Joe Lynch, der am 14. Mai 1927 betrunken von der Fähre im Hafen von Sydney fiel und ertrank. Wahrscheinlich wurde er in Tiefe gezogen, weil seine Manteltaschen voller Bierflaschen waren. Sie können ➱hier alles über diese Geschichte bei Lindsay Foyle lesen, einem australischen Cartoonisten, der an einem Buch über das Thema arbeitet.

Wenn ich heute über Kenneth Slessor (Bild) schreibe, dann muss ich vorausschicken, dass ich kein Fachmann für australische Literatur bin. Ich musste mal einen australischen Professor eine Woche lang betreuen, der von sich behauptete, dass er der größte Fachmann zum Thema australische Literatur sei. Aber das war eine Lüge. Ich erkannte sehr schnell, dass ich da einen veritablen Lügenbaron an der Backe hatte (ich habe das schon in den Post ➱Giovanni Morelli hinein geschrieben). Jahre später habe ich den Mann noch einmal wiedergesehen. Der Professor, bei dem ich damals Assistent war, stand eines Morgens käsebleich in meiner Bürotür und sagte: Jay, gehen Sie bitte mal vorsichtig auf den Flur und gucken Sie, wer da hinten auf dem Flur steht. Machte ich, und da hinten auf dem Flur war wieder unser Lügenbaron aus Australien. Mein Professor und ich verließen umgehend das Gebäude durch einen Hinterausgang.

Der nächste Australier, den ich kennenlernte, war der Dichter Les Murray (Bild). Als ich zu dem Leseabend ging, wusste ich schon einiges über ihn, denn ich hatte dieses gewaltige Versepos Fredy Neptune gelesen. Bevor ich es für drei Mark im Grabbelkasten fand, wusste ich nichts über Les Murray. Nach der Lektüre von Fredy Neptune, das es (glücklicherweise für viele Leser) zweisprachig gibt und dem Leseabend wusste ich mehr. Wenn Murray letztens statt ➱Bob Dylan den Nobelpreis bekommen hätte, es wäre vielleicht nicht unverdient gewesen.

Von der neuseeländischen Literatur weiß ich ein klein wenig mehr, weil wir an unserem Seminar mehrmals die Dichterin und Literaturwissenschaftlerin Judith Dell Panny als Gastprofessorin hatten. Das habe ich schon in dem Post über den neuseeländischen Dichter ➱C.K. Stead geschrieben, ein Post, der leider überhaupt nicht gelesen worden ist. Deshalb preise ich den heute noch einmal an. Und dann gibt es im Blog auch noch einen Post zu ➱Katherine Mansfield, der ein wunderbares Aquarell (dies hier) von dem jungen Maler Robert Bohnstengel zum Thema Kiwi enthält.

Australiens bedeutendster modernistischer Dichter Kenneth Slessor (hier als australischer Kriegskorrespondent im Zweiten Weltkrieg) ist in Deutschland so gut wie unbekannt. Die Dichter von down under haben es schwer, da kennt man eher Waltzing Matilda als die australische Moderne. Patrick White war der erste und einzige, der den Nobelpreis erhielt. Aber redet noch jemand über den? Man muss einer Seite wie ➱Lyrikline schon dankbar sein, dass man hier zwei Gedichte von Slessor findet und noch 31 weitere ➱Autoren aus Australien finden kann.

Und man muss dem Mattes Verlag und dem emerierten Anglistikprofessor Hans-Joachim Zimmermann dankbar sein, dass sie jetzt den Band Kenneth Slessor: Gedichte Zweisprachig auf den Markt gebracht haben. 120 Seiten stark und in drei Teile geteilt: eine lange Einleitung zu Slessors Leben und Werk, zwanzig Gedichte mit deutschen Übersetzungen und ein Kommentar zu allen Gedichten. Es ist ein perfektes Buch, das kann man nicht besser machen. Man merkt, dass Zimmermann aus der Schule von Rudolf Sühnel kommt, das steht für Qualität in einer Zeit, in der es mit der Qualität von Hochschullehrern immer mehr abnimmt. Über ➱Rudolf Sühnel habe ich hier vor Jahren geschrieben, und zu meinem großen Erstaunen hat der Post viele tausend Leser gefunden. Das Buch zu Kenneth Slessor ist nicht das erste Buch, das Zimmermann über Australien geschrieben hat. 1999 hat er einen Band Schwarzaustralische Gedichte: Englisch-Deutsch herausgegeben, was sicherlich eine Pionierleistung war.

Ein Rezensent wäre kein Rezensent, wenn er nicht etwas zu mäkeln hätte. Der Titel Fünf Glockenschläge in der Übersetzung von Five Bells gefällt mir nicht, es sollte besser Fünf Glasen heißen. Das weiß Zimmermann auch, aber für ihn ist das nur ein terminus technicus der Seemannssprache, den er dem Leser nicht zumuten will. Im Gegensatz zu mir kommt er nicht aus einem Kaff an der Weser, das aus einem Hafen, Werften, Bootsbauern, Segelmachern und pensionierten Kapitänen bestand. Man muss dem Leser auch mal etwas Nautisches zumuten. Was hätten die Übersetzer von ➱Moby-Dick sonst tun sollen? Fritz Güttinger (der ➱hier einen Post hat) geht ja auf dieses Problem in seinem Buch ➱Zielsprache lang ein. Bevor ich weiter mäkle, schiebe ich mal eben dieses Gedicht von Slessor (es ist die Nummer 3 von Five Visions of Captain Cook) ein:

Two chronometers the captain had,

One by Arnold that ran like mad,

One by Kendal in a walnut case,

Poor devoted creature with a hangdog face.


Arnold always hurried with a crazed click-click

Dancing over Greenwich like a lunatic,

Kendal panted faithfully his watch-dog beat,

Climbing out of Yesterday with sticky little feet.


Arnold choked with appetite to wolf up time,

Madly round the numerals his hands would climb,

His cogs rushed over and his wheels ran miles,

Dragging Captain Cook to the Sandwich Isles.


But Kendal dawdled in the tombstoned past,

With a sentimental prejudice to going fast,

And he thought very often of a haberdasher’s door

And a yellow-haired boy who would knock no more.


All through the night-time, clock talked to clock,

In the captain’s cabin, tock-tock-tock,

One ticked fast and one ticked slow,

And Time went over them a hundred years ago.

In dieser witzigen Beschreibung ticken zwei Uhren um die Wette, die eine ist von Larcum Kendall, die andere von John Arnold (zwei weitere Uhren von Arnold werden auf Cooks Reise ihren Geist aufgeben). Kenneth Slessor hat sich vieles über Cook und Bougainville angelesen, bevor er sein Gedicht über Captain Cook geschrieben hat. Allerdings geht auch die Uhr von Larcum Kendall (Bild) zu schnell: eine 7/10 Sekunde am Tag. In ➱Greenwich ging sie noch 5/8 Sekunden am Tag zu langsam. Bevor wir jetzt meckern, moderne Armbanduhren mit Chronometerzertifikat seien sie von Patek oder ➱Rolex erreichen solche Werte nicht annähernd. Da sind drei Sekunden Fehlgang am Tag schon ein sehr guter Wert (einem anderen ➱Entdecker in der Südsee wird eines Tages eine Eterna Armbanduhr reichen). Was Cook mit sich führt, sind nicht einfache Uhren, es sind Navigationsinstrumente. Larcum Kendalls K1 sieht aus wie eine Taschenuhr, aber man kann sie nicht in die Tasche stecken wie die Uhren, die der geniale Arnold später der Royal Navy liefert. Die ➱K1 ist dreimal so groß wie eine Taschenuhr und wiegt beinahe anderthalb Kilo. Cook war zuerst skeptisch, ob man mit dieser Uhr den Längengrad bestimmen kann, aber er wird dann our trusty friend the Watch und our never-failing guide the Watch ins Logbuch schreiben.

Auf seiner ersten Reise hatte Cook keinen einzigen Chronometer (hier einer von John Arnold) an Bord gehabt. Es gibt zu der Zeit nur eine einzige transportable genaugehende Uhr auf der Welt, und das ist die sogenannte ➱H4 von John Harrison. Die gibt die Admiralität nicht her, sie lässt Larcum Kendall eine Kopie bauen. Die bekommt Captain Cook für seine zweite Reise. Er ist sozusagen ein Versuchskaninchen, die Admiralität will wissen, ob die Uhr wirklich auf einer so langen Reise funktioniert. Aber so gut H4 und K1 sind, sie sind eine technologische Sackgasse. Und sie sind zu teuer, für drei Kopien von Harrison 4 hätte man ein kleines Kriegsschiff bekommen können.

Kendall war nicht der Mann, eine neue Uhr zu entwickeln. Er war ein Handwerker, kein Genie wie Harrison oder Arnold. Bei seiner K2 ließ er aus Preisgründen das Herzstück von Harrisons H4 (und seiner eigenen K1) einfach weg. Dieses Teil hat den Namen remontoire (oder force constante), man kann es hier in einer neueren Uhr sehen. Harrison hatte es einst für seine H2 erfunden. Und dennoch funktionierte die K2 (sie ging eine bis drei Sekunden am Tag falsch, was immer noch ein phänomenaler Wert ist), Captain Bligh von der ➱Bounty hatte sie an Bord, Fletcher Christian hat sie ihm weggenommen und ist mit ihrer Hilfe zu den Pitcairn Inseln navigiert.

Englands Helden sind jetzt ➱Uhrmacher, sie verhelfen der englischen Flotte, sicher auf den Weltmeeren zu navigieren. Sozusagen ein Vorsprung durch Technik, eine Phrase, die die englische Sprache schon assimiliert hat. Sie können die ganze Geschichte in dem wunderbaren Buch Längengrad von ➱Dava Sobel nachlesen, ein Buch, das Hans-Joachim Zimmermann in seinen Ausführungen über die Marinechronometer leider nicht zitiert. All through the night-time, clock talked to clock, in the captain’s cabin, tock-tock-tock. 

Erstaunlicherweise haben im Jahre 1802 nur sieben Prozent der Kriegsschiffe einen von der Admiralität gelieferten Chronometer. Die Admiralität ist geizig. Also kaufen die Marineoffiziere die preiswerteren Chronometer von Arnold (Bild) oder Earnshaw auf eigene Kosten. Die liegen im Jahre 1800 preislich bei 50 bis 100 Pfund, dazu kommen noch einmal 10 Pfund im Jahr für Reinigung und Reparatur. Das ist eine Menge Geld, wenn man bedenkt, dass ein Kapitän damals 28 Pfund im Monat verdient (ein Leutnant nur acht Pfund). Und es genügt ja nicht, dass ein Chronometer an Bord ist, es sollten schon mehrere sein. Erst in den 1840er Jahren wird die Admiralität ihre Kriegsschiffe mit genau gehenden Uhren ausstatten. Mit mindestens einer chronometer watch (oder einer H.S.2 Uhr) sowie mehreren H.S.3 und H.S.4 deck watches (H.S. steht für Hydographic Department Standard).

Arnold wird seine Uhren verbessern und verbessern. Beachten Sie einmal die wirklich exzentrische Form der Unruh dieser Uhr (sie wird schon in dem Post ➱Precision Class erwähnt). Arnold wird zum Hauptlieferanten der Royal Navy (beziehungsweise ihrer Kapitäne) werden. Und auch die Schiffe der East Indian Company werden mit seinen Uhren ausgestattet. Ich musste diese Geschichte, wie Uhrmacher dafür sorgen, dass Britannia rule the waves wahr wird, mal eben loswerden. Weil ich weiß, dass meine Leser das lieben. Als ich über meine amerikanische Eisenbahneruhr ➱Illinois Bunn Special schrieb, hat mir das tausende von Lesern beschert. Hätte ich diesen Post ‚Kenneth Slessor‘ genannt, wer hätte ihn gelesen? Da zieht ein Titel wie ‚Marinechronometer‘ schon mehr Leser an. Dachte ich mir so.

Während ich dies geschrieben habe, lag die ganze Zeit eine englische Taschenuhr neben mir auf dem Schreibtisch. Es ist eine Uhr, die englische Kapitäne im 19. Jahrhundert geliebt haben, weil sie eine Zentralsekunde (ungewöhnlich bei Taschenuhren) hat. Und noch dazu einen Sekundenstopp, das macht diese Beobachtungsuhr mit dem bullseye glass schon beinahe zur Rarität. Irgendjemand hat sie in den letzten 150 Jahren ihres Silbergehäuses beraubt, aber ein Uhrmacher hat ihr ein neues Messinggehäuse verpasst. Mit Glasboden. Uhren aus dem neunzehnten und achtzehnten Jahrhundert können bei richtiger Pflege immer noch laufen. Von wegen And Time went over them a hundred years ago. Keine Quarzuhr wird so lange halten wie Harrisons H4. Die berühmtesten Uhren der Royal Navy sind in Greenwich zu finden, aber auch im Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden können sie Thomas Mudges blauen Chronometer anschauen.

Wenn Sie dies gelesen haben, dann werden Sie den Post ➱Larcum Kendalls K2 lesen wollen, der ist richtig spannend (und ich habe damals auch schon das Gedicht von Kenneth Slessor in dem Post erwähnt). Und vergessen Sie nicht: Das Buch Kenneth Slessor: Gedichte Zweisprachig von Hans-Joachim Zimmermann ist gerade im Mattes Verlag Heidelberg erschienen. Es kostet 18 Euro und lohnt den Kauf unbedingt. Slessors Collected Poems sind 1994 bei Angus & Robertson erschienen, sind aber leider vergriffen.

Noch mehr Chronometer in diesem Blog in den Post: Constellation de LuxeOfficially CertifiedPrecision ClassLarcum Kendalls K2RolexSommerzeitdrei, zwei, einsHemmungenMax BillElgin18th century: Georgian EraIllinois Bunn Special

Die letzte Omega

Februar 23, 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

 

Diese Uhr ist nicht jedermanns Sache. Edelstahl mit integriertem Band. Zifferblatt, das einem TV Screen ähnelt (es gab das Modell offensichtlich in einer runderen Version – und auch mit blauen Zifferblättern). Es ist dieser coole siebziger Jahre Retro Style, der heute schon wieder akzeptabel ist. Wenn man lange genug wartet, kommt alles wieder (nur die geliebten Frauen aus der Vergangenheit nicht). Und wenn man lange genug wartet, kommt auch das schönste Wetter. Mir fällt bei Sätzen mit dem Wiederkommen (hatte nicht ➱Kierkegaard bewiesen, dass die Sache mit der Wiederholung nicht so richtig funktioniert?) immer dieser wunderbare Dreizeiler von ➱Uli Becker ein:

Gott ja, die Postmoderne, sagt der Minirock

zum Existenzialistenrolli, anything goes

und alles kommt wieder, für 15 Minuten.

Wobei ich sagen muss, dass ich in der letzten Zeit kaum Miniröcke oder Existentialistenrollis gesehen habe. Die Uhr in dem Absatz da oben, kann man viel häufiger sehen. Geben Sie einfach bei Google Bilder ‚Omega Seamaster 366.0845‘ ein. Ich weiß nicht, ob das hier als Minirock durchgeht, aber das Bild gibt mir die Möglichkeit, Cindy Crawford mal eben mit Verspätung zum fünfzigsten Geburtstag zu gratulieren. Ich hätte ja auch ein Bild von Jessica Ennis-Hill hier einstellen können, die trägt zwar für die Omega Werbung einen kürzeren Rock, aber ich weiß nicht, wann die Geburtstag hat.

Die Omega im obersten Absatz ist eine Omega Seamaster, und wenn alle Daten von Gehäusenummern und Werknummern nicht täuschen, dann ist dies eine der letzten Omegas. Weil Omega im Jahr 1984 der Fédération de l’industrie horlogère suisse mitteilt, dass man leider den Manufakturstatus aufgeben muss. Manufaktur ist man, wenn man eigene Werke herstellt, jetzt schalt man bei Omega (die gerade zusammen mit der Konzernschwester Tissot Teil der Swatch Group geworden war) nur noch Fremdwerke ein. Es wird bis zum Jahre 2011 dauern, dass Omega mit dem Kaliber 8500 (Bild) wieder ein Manufakturwerk bauen wird (das zuletzt verwendete Kaliber 2500 war nur ein aufgerüschtes ETA Werk).

Das einzig Positive, was die Omega Firmengeschichte für das Jahr 1985 aus Deutschland berichten kann, ist, dass der Professor Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik eine Omega Constellation Manhattan am Arm trägt. Hier ist sie im Bild, die hässlichste Constellation, die je gebaut wurde, eine Quarzuhr noch dazu. Zehn Jahre zuvor war Deutschland der Ort einer der größten Fehlentscheidungen der Firma gewesen. Man hatte beschlossen, Omega Uhren nicht mehr allein über den Fachhandel zu verkaufen, sondern auch die Kaufhäuser zu beliefern. Wenn man eine Omega bei Hertie kaufen kann, trägt das nicht unbedingt zum Nimbus der Marke bei. In der Firmenchronik Omega Saga von Marco Richon steht dann Jahrzehnte später: C’est l’année de l’aventure des grandes magasins, qui tournera rapidement au désastre.

Uhrmacherisch ist der Gigant Omega 1984 am Ende. Wie viele kleine Firmen. In ähnlicher Krise steckte Omega schon einmal in den zwanziger Jahren, als es noch keine Quarzuhren gab, die die Schweizer Uhrenwelt erschütterten. Zwar hatte der Amerikaner Warren Alvin Marrison schon 1929 eine Quarzuhr gebaut, aber die war so groß, dass man sie nicht am Arm tragen konnte. Im gleichen Jahr schlossen sich Tissot und Omega zur Société Suisse pour l’Industrie Horlogère SA (SSIH) zusammen.

Omega stand 1929 vor der Pleite. Bei der Firma Tissot, die im Rußlandgeschäft mit Uhren für den Zaren groß geworden war (dies hier ist allerdings nicht the real thing sondern eine Nachbildung), hatte man Geld. Madame Marie Tissot pflegte noch Jahrzehnte später im Aufsichtsrat die Vertreter der inzwischen viel mächtigeren Konzernschwester Omega daran zu erinnern, wer sie damals gerettet hatte. Die Enkelin des Firmengründers, die wie ihr Bruder Paul noch in Russland geboren wurde, hat fünfundfünfzig Jahre für die Firma gearbeitet, deren Namen sie trug. Die Firmengeschichte von Tissot kann man in dem Buch Tissot: 150 Jahre Geschichte 1853-2003 von Estelle Fallet nachlesen.

Das Gehäuse von der Omega Seamaster kam von der Bieler Firma Maeder-Leschot. Über die man im August 1977 lesen konnte: Der Presse ist zu entnehmen, dass wegen der andauernden Rezession und des ungenügenden Auftragseinganges die Firma Maeder-Leschot SA sich genötigt sieht, die Uhrenschalenfabrikation einzustellen. Am Ende des Jahres kaufte Omega die Firma, doch Ende August 1984 wurde Maeder-Leschot geschlossen und die dort seit der letzten Restrukturierung verbliebenen 66 Arbeitnehmer entlassen. Konkurse sind in der Schweizer Uhrenindustrie keine Seltenheit, die Uhrenfirma in Schaffhausen, die im Dezember 1879 dieses Plakat aushängte, hat sich inzwischen wieder erholt.

Der Amerikaner F.A. Jones (lesen Sie ➱hier mehr über ihn) hatte gehofft, dass die USA die während des Bürgerkriegs erhobenen Schutzzölle nach dem Krieg aufheben würden. Dann hätte er seine Swiss Made amerikanischen Taschenuhren (hier ein Kaliber Jones) in die USA exportieren können. Aber er hätte wissen sollen, dass Regierungen niemals Zölle und Steuern wieder aufheben. Die Sektsteuer wurde in Deutschland eingeführt, damit Willem zwo seine Schlachtschiffe bauen konnte. Die Sektsteuer haben wir heute immer noch, aber kein einziges Schlachtschiff.

Dieser Herr, in einem Werk der Firma photographiert, steht heute für Omega. Weil James Bond neuerdings Omega trägt. Als er geboren wird, beginnt die Quarzkrise. Es gibt viele Gründe für den schleichenden Untergang der Firma, die vor der großen Krise 1970er Jahre 3.000 Beschäftigte hatte und ca. 1,7 Millionen Uhren im Jahr baute. Es gibt zu viele Modelle und zu viele verschiedene Uhrwerke. Und zu viele Direktoren. Mit zu dem Ruin von Omega beigetragen hat das Uhrwerk in der Seamaster, das die Kalibernummer 1000 trägt.

Ein potthässliches Werk, das nichts von der Schönheit des Kalibers 551 hat (lesen Sie mehr dazu in dem Post ➱Officially Certified). Aber man wollte partout ein flacheres Werk haben, das Kaliber 551 war 4,5 Millimeter hoch, das Kaliber 1000 maß nur 4,35 Millimeter. Leider funktionierte es selten. Omega konstruierte es um, es hieß dann 1010 oder 1020. Hatte eine Höhe von 4,8 Millimetern. Da fragt man sich, wozu der ganze Aufwand, der Millionen verschlang?

Bei Omega hieß es: Calibers 1010 to 1022 have been developed on mathematical bases. Indeed, a method of calculation has been perfected in our laboratories whereby maximum data is obtained with regard to the chief features of the various movement parts. Thus, having the most information possible, the constructor is able to  carry out his research under better-controlled conditions than previously. Trial series have confirmed the advantages of this method for, with the said caliber, we are securing timekeeping results which have as yet never been achieved by movements of the same category. Moreover, let us mention that, if this new caliber presents obvious similarities to caliber 1000, it has nevertheless been entirely reconceived and can in no way be compared with it.

Die Uhrenindustrie ist (wie die Automobilindustrie) ja immer auf der Suche nach Neuerungen, das Rad muss immer wieder neu erfunden werden. Bewährte Konstruktionen bedeuten nichts. Obwohl man die ideale Größe von Uhrwerken kannte, wollte man immer flachere und kleinere Werke bauen. Der Chefkonstrukteur der IWC Albert Pellaton hatte sich einst geweigert, ein flacheres Werk zu konstruieren. Die Besitzer einer IWC mit dem Kaliber 401 wissen weshalb. Sie können mehr zu diesem Thema in dem Post ➱Max Bill lesen. Wenn man bedenkt, dass die Gehäuse in den siebziger Jahren immer voluminöser wurden, weshalb dann das Streben nach flacheren Werken?

Rolex hat übrigens diesem Streben nie nachgegeben, ihre Automatikwerke waren beinahe sechs Millimeter hoch. Ein Millimeter mehr oder weniger macht bei den massiven Gehäusen nichts aus, da hätte man wahrscheinlich noch ein zweites Werk einbauen können. Ich muss jetzt einmal Rolex loben – nachdem der Post ➱Rolex die Freunde der Marke so vergrellt hat. Es ist, was die Langlebigkeit von Uhren betrifft, nur vernünftig, größere und höhere Werke zu bauen. Und als man bei Omega endlich die 1010er und 1020er Kaliber baute (die drei Millimeter höher waren als das 551er), war für Omega die Welt wieder in Ordnung. Bis zu dem Augenblick, als sie keine Manufakturwerke mehr bauten.

Was das Design betrifft, so verrät die Omega Seamaster mit der Modellnummer 366.0845 natürlich, dass sie aus der Dekade des schlechten Geschmacks kommt. Ist eine Art Patek Nautilus für Arme (links das Patek Modell aus dem Jahre 1976, rechts die von 2006). Mein Kumpel Keith hat eine Patek Nautilus in Platin, wäre mir zu schwer. Er hat sie einem Typen abgekauft, der mit der Patek durch ganz Südamerika getrampt ist. Sein Freund trug auf der Reise eine goldene Rolex. Am Ende der Reise hatte er die nicht mehr. Nur der Comandante Che Guevara kommt mit einer Rolex unbehelligt durch Südamerika. Die Räuber verschmähten die Patek aus Platin. Sie hielten die für eine Seiko. Das ist designmäßig das Schlimmste, was passieren kann.

Kann einem bei meiner Seamaster (die glücklicherweise das Kaliber 1020 in ihrem stählernen Gehäuse hat) nicht passieren. Hier steht Omega drauf. Und sie hat das Omega Symbol im Glas und auf der Krone. Und hat auf dem Boden dieses Seeungeheuer, das natürlich kein Seepferdchen, sondern ein ➱ἱππόκαμπος ist. Die letzte echte Omega mit Day-Date und Sekundenstopp ist mir lieb und teuer, vor allem, weil sie nicht teuer war. Mein Uhrmacher hat sie mir vor vielen Jahren geschenkt. Der Kunde, der sie zur Revision gebracht hatte, hat sie nie abgeholt. Als der Uhrmacher ihn anrief, sagte der, dass er die Uhr niemals wieder zurückhaben wollte. Mein Uhrmacher konnte viele Geschichten von seltsamen Kunden erzählen.

Am besten hat mir die Geschichte von der Rolex gefallen, die ein Kunde drei Jahre nicht abgeholt hatte. Es stellte sich heraus, dass der Mann die Uhr zur Revision gebracht hatte, bevor er eine mehrjährige Haftstrafe antrat. Bei einem Uhrmacher ist sie sicherlich besser aufgehoben als im Gefängnis. Das sagt jetzt aber nichts über Rolex Besitzer im Allgemeinen aus. Und ich sage auch nichts dazu, dass der Rolex Liebhaber Karl-Heinz Rummenigge vorbestraft ist. Aber wenn man mal beobachtet hat, wie ein Loddel aus Essen eine Rolex kauft und die 500er Scheine aus der Lederjacke holt, während sein Kumpel draußen den Amischlitten (auf dem Bürgersteig geparkt) mit dem Gasfuß am Laufen hält, dann macht man sich schon seine Gedanken über Rolex Besitzer.

Der gerade freigelassene Rolex Besitzer hatte an seiner Rolex übrigens ein Stahlband von Tissot angebracht. Ich dachte mir, dass er ein Kenner sein musste, denn in den siebziger Jahren waren die Stahlbänder von Tissot einwandfrei besser als die von Rolex (dazu gibt es ➱hier einen Post). Häufig kamen sie (zum Beispiel bei den T12 Modellen) von der Firma Gay Fréres, dem Nonplusultra der Uhrenbänder. Rolex hat die Firma vor Jahren gekauft, wahrscheinlich, weil man die jahrzehntelange Meckerei über die miese Qualität der Rolex Bänder nicht mehr aushielt.

Spectre

November 5, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

A spectre is haunting Europe. Mit diesen Worten beginnt Karl Marx sein Kommunistisches Manifest. Auf jeden Fall in der englischen Ausgabe. Das Gespenst, das jetzt in Europa umgeht, konnte er noch nicht kennen. Es heißt auch spectre, hat aber nix mit dem Kommunismus zu tun. Was ist das nur wieder für ein Rummel! Wir streichen mal eben das Wort Rummel und sagen Hype. Hype klingt immer modern, so richtig with it. Wie die Slimline Anzüge, die Daniel Craig trägt. Die kommen von Tom Ford. Nicht mehr von Anthony Sinclair, wie die Anzüge Sean Connerys. Immerhin kommen die Schuhe noch aus England, von Crockett und Jones. Kann man nichts gegen sagen, aber wenn man wirklich Maßstäbe setzen wollte, dann sollten die Schuhe schon von Gaziano & Girling oder Edward Green kommen. Und die Anzüge auf keinen Fall von Tom Ford. Ian Fleming trug Maßschuhe von Peal (lesen Sie ➱hier mehr), aber an den Stil kommt man nicht wieder heran.

Sie merken schon, wohin die letzten Sätze führen: das Ganze ist wieder ein Fall für das product placement, ein gigantischer Werbespot (wie schon der Film ➱Kingsman). Selbst der Herrenausstatter Kelly’s in der Dänischen Straße hat sein Schaufenster mit solchen Bildern verziert, sieht aus wie Halloween, soll aber eine Assoziation zu Spectre sein. James Bond hat sich von einem Londoner Gentleman, einem Clubland Hero, zu einer Comic Strip Figur gewandelt. Der Literaturwissenschaftler Northrop Frye hat in seinem Buch Anatomy of Criticism die Literaturform der romance so definiert:

The essential element of the plot in romance is adventure, which means that romance is naturally a sequential and processional form… At its most naive it is an endless form in which a central character who never develops or ages goes through one adventure after another until the author himself collapses. We see this form in comic-strips where the central character persists for years in a state of refrigerated deathlessness. Soll ich die letzten Sätze wiederholen? Und vielleicht noch fett setzen?

Die Formel der James Bond Geschichten ist sehr einfach, ➱Strukturalisten brauchen nur einen kleinen Teil der Wandtafel, um sie aufzuzeichnen. Das, was Roland Barthes hier zeigt, ist zwar nicht die Formel, aber viel länger wäre sie auch nicht. Es ist übrigens eine Formel, die man auch auf Beowulf und Asterix und Obelix anwenden kann: The essential element of the plot in romance is adventure, which means that romance is naturally a sequential and processional form. Am Anfang die heile Welt, dann die Störung der Ordnung, man braucht einen Retter. Der Beste der Beste wird zu seinem König (zu seinem Geheimdienstchef oder seinem Druiden) gerufen. Er bekommt einen Auftrag. Und hat ein Abenteuer nach dem anderen. Mit Drachen, mit Römern, mit Dr No. Und mit schönen Frauen (es ist viel Erotik in ➱Sir Gawain and the Green Knight). Am Ende ist das Böse besiegt, man feiert in Camelot, im Londoner Club oder in einem kleinen gallischen Dorf (mit dem Verzehr von sangliers). Mit einfachen Strukturen kann man Leser und Zuschauer begeistern. Mit einer einfachen Ideologie, die aus der Zeit des Kalten Kriegs stammt, auch.

Vor über vierzig Jahren machte man sich an der Uni in der Englischen Philologie zum Außenseiter, wenn man über James Bond schrieb. Damals hielt sich die 007 Hysterie ja glücklicherweise noch halbwegs in Grenzen. Die Wiederbelebung von James Bond, den wir als Sean Connery kannten, durch Roger Moore hatte gerade stattgefunden. Aber mit dem Rolls Royce Vertreter ➱George Lazenby und The Saint Roger Moore war Bond sowieso tot. Jetzt kam das Jahrzehnt der Quarzuhren und des schlechten Geschmacks. Und der schlechten Bond Filme.

Doch die Filmindustrie beweist uns, dass man selbst mit dem flogging a dead horse immer noch glänzende Geschäfte machen kann. Die Familie ➱Broccoli besitzt mit den Rechten an den Romanen eine Maschine zum Gelddrucken. War man in den siebziger Jahren ein Außenseiter, wenn man über Bond (und seine vielen literarischen Kollegen und Vorläufer) schrieb, dann ist man heute ein Außenseiter, wenn man nicht über James Bond schreibt. Wie ich.

Alles muss in den Bond Filmen sensationeller sein als vorher: die Produktionskosten höher, die Autos schneller, die Frauen schöner, die Bösewichte böser. Diesmal kommt der Bösewicht aus Östereich und heißt Ernst Stavro Blofeld. Den ➱Namen hatte er schon mal, wir haben Donald Pleasance (und all die anderen Blofelds) nicht vergessen. Diese ganzen master criminals gehen einem ja langsam auf den Keks.

Arthur Conan Doyle hätte gut daran getan, Dr Moriarty (dessen Modell vielleicht ein gewisser Adam Worth war) in den Reichenbachfällen sterben zu lassen. Aber das Böse ist immer und überall, und so sind die Bösewichte heute in beinahe jeder TV Serie zu finden. Von Red John in The Mentalist bis zu den Bösewichten in Navy CIS, das ist schon etwas abgeschmackt. Als sie noch Dr Fu Manchu (die gelbe Gefahr), Carl Peterson (der Gegenspieler von Bulldog Drummond) oder Fantomas (der von dem Regisseur Louis de Feuillade zwischen 1908 und 1925 fünfhundertundzwei Mal auf die Leinwand gebracht wurde) hießen, waren master criminals irgendwie etwas Besonderes, heute sind die Nachfahren des ➱gothic villain eigentlich nur noch komisch. Und deplaziert.

August Gottlieb Meißner, der die Kriminal-Geschichte in der Literatur begründete (und die Leser dazu brachte, sich dem Verbrecher zuzuwenden), hat da etwas zu verantworten. Er hatte für seine Geschichten aber bessere Titel als dies simple Spectre. Unübertroffen bleibt sein Titel Blutschänder, Feuerleger und Mörder zugleich, den Gesetzen nach, und doch ein Jüngling von edler Seele. Wenn Sie mehr über die Geburtsstunde des Verbrechers in der Literatur wissen wollen, kann ich den langen Aufsatz von Marianne Willems ➱hier empfehlen.

Der Krimiautor R. Austin Freeman hat die Welt von James Bond nicht mehr kennengelernt, aber was er 1924 in seinem ➱Artikel The Art of the Detective Story über den Verfall der Gattung sagte, das kann man leicht heute auf das beziehen, was aus Flemings James Bond geworden ist: A widely prevailing error is that a detective story needs to be highly sensational. It tends to be confused with the mere crime story, in which the incidents – tragic, horrible, even repulsive – form the actual theme, and the quality aimed at is horror – crude and pungent sensationalism. Here the writer’s object is to make the reader’s flesh creep; and since that reader has probably, by a course of similar reading, acquired a somewhat extreme degree of obtuseness, the violence of the means has to be progressively increased in proportion to the insensitiveness of the subject. The sportsman in the juvenile verse sings:


I shoot the hippopotamus 

with bullets made of platinum
Because if I use leaden ones 

his hide is sure to flatten ‚em:

and that, in effect, is the position of the purveyor of gross sensationalism. His purpose is, at all costs, to penetrate his reader’s mental epidermis, to the density of which he must needs adjust the weight and velocity of his literary projectile.

Ich stelle hier heute (in etwas überarbeiteter Form) noch einmal etwas hin, was ich am fünfzigsten Jahrestag des Kinostarts von Goldfinger geschrieben habe. Etwas Besseres fällt mir zum deutschen Kinostart von Spectre eh nicht ein. Außer dem Hinweis, dass James Bond in sechs Tagen fünfundneunzig Jahre alt wird. Nie war der Satz von Northrop Frye the central character persists for years in a state of refrigerated deathlessness so wahr wie heute.



Goldfinger, he’s the man
The man with the midas touch
A spider’s touch
Such a cold finger
Beckons you to enter his web of sin
But don’t go in

Heute wohnen viele so, aber wenn man in der Willow Road im feinen Hampstead wohnt, dann hasst man es, dass da alte Backsteinhäuser abgerissen werden, um einem solchen Neubau zu weichen. In den fünfziger Jahren baute jeder so, aber dieses Haus, wurde schon 1939 gebaut. Von einem zugezogenen Ungarn namens Ernő Goldfinger, der heute aus unerfindlichen Gründen als Englands bedeutendster Vertreter der Moderne gilt. Seine Bauten mochte niemand leiden (sogar ein Vorkämpfer der Moderne wie ➱Sir Nikolaus Pevsner äußert sich sehr zurückhaltend), den Menschen Ernő Goldfinger mochten noch weniger Leute leiden.

Er ist schon einmal in diesem Blog erwähnt worden. Nicht im Zusammenhang mit dem Kunsthistoriker ➱Nikolaus Pevsner oder der englischen Architektur (seine Bauten fallen unter den schönen Begriff Brutalist Architecture), sondern weil einer seiner Nachbarn in Hampstead (der ihn nicht ausstehen konnte) ihn in einen Roman hinein geschrieben hat.

In dem Post ➱Agentenmode aus dem Jahre 2010 war hier zu lesen: Den letzten Namen [Goldfinger] hat sich der Schöpfer von James Bond mit besonderer Süffisanz ausgesucht. Er hatte nämlich einen Nachbarn namens Goldfinger, Ernö Goldfinger. Der war ein berühmter Architekt, aber Fleming fand, das dessen modernistisches Haus die ganze Londoner Vorstadt verschandelte (heute steht das Haus in der Willow Road unter Denkmalschutz). Und so wurde der ungarische Architekt zu einer Romanfigur.

Er hat noch jahrelang unter seinem Namen gelitten, ständige Telephonanrufe von Leuten, die sich als Bond, James Bond meldeten. Oder es sangen ihm Scherzbolde Shirley Basseys ‚Goldfinger‘ ins Ohr. Goldfinger will den Verlag von Fleming verklagen, aber er zieht seine Klage zurück. Woraufhin ihm der Jonathan Cape Verlag die Kosten der Rechtsanwälte erstattet und ihm sechs Exemplare von ‚Goldfinger‘ schenkt. Ian Fleming hatte angedroht, bei der zweiten Auflage die Romanfigur statt Goldfinger ‚Goldprick‘ zu nennen. Das wäre noch komischer geworden.

Das Photo im oberen Absatz zeigt Ernő Goldfinger vor einem seiner Bauwerke; die Kinder, die in dem Trellick Tower Hochhaus wohnen, sehen nicht unbedingt glücklich aus. Vertical slums replaced horizontal slums, hat Harry Phibbs vom Guardian über das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Bauwerk geschrieben. Die englische Presse ist nie sehr nett mit Ernő Goldfinger umgegangen, hat auch immer wieder genüsslich kolportiert, dass nach Ansicht der meisten Briten Goldfinger Selbstmord begangen habe, indem er vom Trellick Tower Hochhaus gesprungen sei. Solche urban myths halten sich lange. Der emigrierte ungarische Kommunist wird immer mit diesem Herrn verwechselt werden, den James Bond auf einem Golfplatz trifft.

Da ich gerade einen älteren Post zitiert habe, möchte ich noch etwas aus dem Post ➱Bond Girl zitieren, nämlich das schöne Gedicht von ➱Fiona Pitt-Kethley, das man gar nicht häufig genug zitieren kann. Es heißt Bond Girls (und findet sich auch in dem Post ➱Britt):

Back in my extra days, someone once swore
she’d seen me in the latest James Bond film.

I tried to tell her that they only hired
the real glamorous leggy types for that.
(My usual casting was ‚a passer-by‘.)

I’ve passed the lot in Pinewood Studios.
It’s factory-like, grey aluminium, vast
and always closed. Presumably that’s where
they smash up all the speedboats, cars and bikes
we jealous viewers never could afford.

I quite enjoyed the books. Ian Fleming wrote well.
I could identify a touch with Bond,
liking to have adventure in my life.
The girls were something else. All that they earned
for being perfect samples of their kind –
Black, Asian, White – blonde, redhead or brunette,
groomed, beauty-parlourised, pleasing in bed,
mixing Martinis that were shaken not stirred
using pearl varnish on their nails not red –
was death. A night (or 2) with 007,
then they were gilded till they could not breathe,
chucked to the sharks, shot, tortured, carried off
or found, floating face downward in a pool.

Das Bild von der vergoldeten Shirley Eaton kriegen wir nie wieder aus unseren Köpfen. Dieses Bild hätten wir gerne wieder aus unseren Köpfen. Aber es geht nicht, das Filmgedächtnis hat es schon gespeichert. Das ist Shirley Eaton in dem Film Doctor in the House, sie ist siebzehn. Aber sie hat schon begriffen, dass man mangelndes schauspielerisches Talent durch Oberweite und offene Blusenknöpfe kompensieren kann. Ein ehernes Gesetz der Filmindustrie, das natürlich auch für alle Filme mit Geheimagenten gilt.

Der junge Mann neben Shirley Eaton ist natürlich Dirk Bogarde (der ➱hier einen langen Post hat). Der, wenn er in der Spionagefilm Parodie Hot enough for June auch mal einen Geheimagenten spielen darf, jemand anderen als Shirley Eaton an seiner Seite hat. Geheimagenten brauchen nun mal Frauen, ganz ohne Weiber geht die Chose nicht. Das Thema der Geheimagenten und ihrer Gespielinnen ist schier unerschöpflich, vielleicht komme ich eines Tages noch darauf zurück.

Natürlich wissen wir, dass die Frau in dem Roman Goldfinger den Namen Pussy Galore hat. Dazu sage ich jetzt lieber gar nichts. Sie wird ➱hier natürlich schon erwähnt. Das gleiche gilt für ➱Ursula Andress (Undress?), ➱Karin Dor und ➱Britt Ekland. Dass die Kritiker die Romanfigur James Bond zu einem sex maniac gemacht haben, sei völlig falsch, sagt der englische Schriftsteller Kingsley Amis (der auch unter dem Pseudonym Robert Marham einen James Bond Roman schrieb):

Not once, in the twelve novels and eight stories, does Bond or his creator come anywhere near judging a character by his or her social standing. We hear a good deal about high living and the elegant scene at Blades Club, but that is a different matter; at worst, harmless vulgarity. The practice of fornication in itself is not enough, these days, to brand a man as a monster, but then perhaps Bond goes at it too hard, weaves a compensation-fantasy for author and reader, is on a wish-fulfilment deal and all that.

I myself could see no harm in this even if it were true, but it is not. One girl per trip, Bond’s average, is not excessive for a personable heterosexual bachelor, and his powers of performance would not rate the briefest of footnotes in Kinsey. It is true that all the girls are pretty and put up little resistance to Bond’s advances, and this may help to explain his unpopularity with those critics who find it difficult to seduce even very ugly girls. Die Passage findet sich in ➱Kingsley Amis‚ amüsantem Buch The James Bond Dossier. Einer ein klein wenig ironischen Untersuchung der Flemingschen Romanfigur.

Die ja außer ihrem Namen nichts mehr mit jenem James Bond gemein hat, der heute in aller Munde ist. Und der zur Karikatur einer Figur geworden ist, die vielleicht schon selbst eine Karikatur war. Schon der James Bond der Kritiker der sechziger Jahre hatte wenig mit dem 007 der Romane gemein: The curious momentary suspicion one feels from time to time, that the critics have somehow got hold of a completely different version of the work one has been reading, has never invaded my mind more powerfully than in the case of Ian Fleming and his critics, sagt Amis.

Und damit meinte er nicht die deutschen Kritiker, die voller Moral- und Ideologiekritik waren, sondern seine eigenen Landsleute. Wie zum Beispiel Malcolm Muggeridge, der Fleming als Etonian Mickey Spillane bezeichnete und über James Bond so nette Dinge sagte wie: In so far as one can focus on to so shadowy and unreal a character, he is utterly despicable: obsequious to his superiors, pretentious in his tastes, callous and brutal in his ways, with strong undertones of sadism, and an unspeakable cad in his relations with women, toward whom sexual appetite represents the only approach. 

Sean Connery war in den ersten Filmen noch eine erkennbare Variation des Romanhelden. Heute ist James Bond Arnold Schwarzenegger in der Verkleidung von Daniel Craig. Wie das Monster von Dr Frankenstein ist die Kunstfigur längst der Kontrolle seines Herrn entwischt. Die Stärke von Fleming liegt in seiner Detailtreue, sagt Amis. Das sagt auch ➱Fleming selbst: I try to write neatly, concisively, vividly, because I think that’s the way to write, I think that approach largely comes from my training as a fast-writing journalist under circumstances in which you damned well have to be neat, correct, concise and vivid. My journalistic training was far more valuable to me than all the English literature education I ever had. My plots are fantastic, while being often based upon truth. They go wildly beyond the probable not, I think, beyond the possible. 

To anchor my fantastic plots I employed the device of using real names of things and places. The constant use of real and familiar names and objects reassures the reader that both he and the writer have their feet on the ground in spite of being involved in a fantastic adventure. That is why I started using the technical device of referring to say, a Ronson lighter, a 41⁄2-litre Bentley with an Amherst-Villiers supercharger, the Ritz Hotel in London, the 21 Club in New York, the exact names of even the smallest details. All of this gives the reader the feeling of feasibility.

Das findet allerdings in den Augen moralisierender Kritiker keine Gnade: Diese Tatsachentreue im Kleinen schafft einen Pseudo-Realismus, der geistig unsauber ist, weil er den Anschein erweckt, auch alle Gewaltakte, Treulosigkeiten, Sexualabenteuer und kitschigen Bilder der Lebewelt müßten nach dem Leben gezeichnet sein, schreibt ein Peter Fischer im Jahre 1969. Für die Kritiker der sechziger Jahre wurde der Marineoffizier im englischen Geheimdienst zu einem Vorwand, schöne Allgemeinplätze zu produzieren: Wenn man Fleming schon reaktionär nennen will, dann nicht deswegen, weil er die Rolle des „Bösen“ mit einem Russen oder Juden besetzt. 

Er ist reaktionär, weil er exzessiv schematisiert. Schematisierung, manichäische Zweiteilung ist immer dogmatisch, intolerant; Demokrat ist, wer die Schemata verwirft und Nuancen anerkennt, Unterscheidungen macht, Widersprüche rechtfertigt. Fleming ist reaktionär, wie im Grunde das Märchen reaktionär ist, jedes Märchen, – er ist der althergebrachte statisch-dogmatische Konservativismus der Märchen und Mythen, die eine elementare Weisheit vermitteln, die durch simples Licht- und Schattenspiel mitgeteilt wird… Wenn Fleming Faschist ist, dann deshalb, weil typisch für den Faschismus seine Unfähigkeit ist, von der Mythologie zur Vernunft fortzuschreiten, seine Tendenz mit Hilfe von Mythen von Mythen und Fetischen zu herrschen und beherrschen. So Umberto Eco in Der Fall James Bond. Dass der Spionageromane per se eine faschistoide Literaturform ist, hatte ➱Gertrude Himmelfarb für die Romane von John Buchan insinuiert, dessen Held Richard Hannay ja ein Vorläufer von James Bond ist.

Nicht viel an den James Bond Phantasien Ian Flemings war wirklich neu. Wunschfiguren, die mal eben schnell die Welt retten, hatte es schon zuvor gegeben. John Buchans Richard Hannay, Bulldog Drummond, Lemmy Caution und Hubert Bonisseur de la Bath (der Geheimagent OSS 117) waren das auch schon gewesen. Als die ersten James Bond Romane erschienen, konnte man Bond noch als eine Art cultural hero verstehen. Ein englischer Geheimagent zeigte den Großmächten in einer Zeit, als England politisch keine Rolle mehr spielte, dass die Engländer immer noch das Great Game spielen und die Welt retten konnten. Auch wenn man das Empire längst verloren hatte.

Ian Fleming wrote well, heißt es in dem Gedicht Bond Girls. So gut nun auch wieder nicht. Probably the fault about my books is that I don’t take them seriously enough… you after all write „novels of suspense“ – if not sociological studies – whereas my books are straight pillow fantasies of the bang-bang, kiss-kiss variety, vertraute er Raymond Chandler an. In der Welt der pillow fantasies ist die Welt immer bedroht. Muss in letzter Minute gerettet werden. Das Böse ist immer und überall, ich muss die Zeile aus Ba Ba Banküberfall wiederholen. Die Bösewichte sind natürlich keine Engländer, das ist ein Erbe der gothic novel (lesen Sie hier doch den Post ➱Gothick), wo der gothic villain auch nie aus England kommt. Sie mögen sich englisch geben wie Gert Fröbe als Auric Goldfinger, aber der ist in seiner Golfkleidung doch nur eine Karikatur eines englischen Gentleman. Und dann dieser braune Smoking! Die Bösewichte tragen in den Filmen immer seltsame Kleidung, niemals diese zeitlosen Anzüge von Anthony Sinclair wie Sean Connery. Der Kampf gegen das Böse ist in den Ausstattungsfilmen auch ein sartorialer Kampf gegen den schlechten Geschmack.

Arno Schmidt hat einmal über den viktorianischen Roman gesagt, dass da die Nebenfiguren zu Hauptfiguren werden. Ein Satz, der auch für Goldfinger gilt, der nichts ohne Honor Blackman, Harold Sakata (als Oddjob), Tania Mallet und die golddoublierte Shirley Eaton wäre. Angeblich waren die Produzenten Broccoli und Saltzman von Fröbe als Kindsmörder in Es geschah am hellichten Tage begeistert und waren deshalb auf ihn verfallen. Ich fand ihn als Naziverbrecher in ➱Alfred Andersch‘ Die Rote viel eindrucksvoller. Gert Fröbe war später noch einmal im Gespräch. Er sollte als Zwillingsbruder von Auric Goldfinger in Diamonds are Forever mitspielen, aber dann gab man den Gedanken doch auf. Ist auch besser so.

Arno Schmidt, der ja auch einen Erfolgsautor wie ➱Wilkie Collins übersetzte (und auch einen Spionageroman von Ian Flemings Bruder ➱Peter), bringt mich jetzt zu einem kleinen Exkurs. Es hat schon vor dem Auftauchen von James Bond phänomenale Erfolge von Autoren gegeben, deren Bestseller in die alltägliche Wirklichkeit hinein wirkten. Man denke nur an Wilkie Collins‘ Roman The Woman in WhiteIts success on publication was overwhelming. All throughout 1860 The Woman in White was the rage. Cloaks and bonnets, waltzes and quadrilles, were named after her; there was a Woman in White scent and even a hairbrush. Though the reviews were not altogether favourable, eminent men of letters were as delighted by the book as the reading public. Thackeray sat up all night and Mr Gladstone put off a theatre party to finish it. The Prince Consort revelled in it and recommended it to the austere Baron Stockmar, schreibt Maurice Richardson in Vorwort zu der ➱Everman Ausgabe. All das werden wir bei Fleming eines Tages wieder haben: Mode- und Parfümindustrie und Staatsmänner (wie John F. Kennedy), die nicht aufhören können, diesen Autor zu lesen. Und schlechte Kritiken.

Die Filme retten die Romane Ian Flemings, so groß war der Erfolg der ersten Romane in England nicht. In Deutschland erst recht nicht. So hieß es beim Ullstein Verlag auf dem Buchrücken der deutschen Erstausgabe (Erstmalig in deutscher Sprache! stand vorne drauf): Casino Royale [ist] eine der harten, im amerikanischen Stil geschriebenen, abenteuerlichen Stories, mit denen der englische Autor Ian Fleming sich seinen Platz in der ersten Reihe der beliebtesten Kriminalautoren gesichert hat. Ullstein reichte den Autor übrigens wenig später wegen schlechter Verkaufszahlen an den Scherz Verlag weiter.

In der Tradition des harten amerikanischen Stils hätte sich Fleming auch gerne gesehen: I wanted my hero to be entirely an anonymous instrument and to let the action of the book carry him along. I didn’t believe in the heroic Bulldog Drummond types. I mean, rather, I didn’t believe that they could any longer exist in literature. I wanted this man more or less to follow the pattern of Raymond Chandler’s or Dashiell Hammett’s heroes—believable people, believable heroes. Aber in den sechziger Jahren waren Flemings Romane kalter Kaffee, Englands neuer Star hieß Len Deighton.

Der kam definitiv nicht aus der upper class wie Ian Fleming. Sein Held – the first anti-hero in spy fiction – hatte nicht einmal einen Namen. Harry Palmer hieß er erst in den Filmen. Ian Fleming war über The Ipcress File auf jeden Fall not amused. Er mokierte sich he could not be bothered with all [Deighton’s] kitchen sink writing and all this Nescafé. Ja, professional compliments are always pleasing, wie ➱Doc Boone in Stagecoach sagt. Andere hatten mehr Lob parat: A spy story with a difference (Observer), A master of fictional espionage (Daily Mail), The poet of the spy story… Deighton is so far in the front of other writers in the field that they are not even in sight (Sunday Times), The Ipcress File helped change the shape of the espionage thriller… the prose is still as crisp and fresh as ever… there is an infectious energy about this book which makes it a joy to read, or re-read (Daily Telegraph).

All das gilt noch immer. Ich hatte große Schwierigkeiten, nach einem halben Jahrhundert einen James Bond Roman noch einmal zu lesen. Len Deightons The Ipcress File habe ich mit Vergnügen in einem Stück gelesen. In schöner Bescheidenheit hat Deighton über seinen Debütroman gesagt: it did very well, but that was really because the critics used me as a blunt instrument to beat Ian Fleming over the head. Und Harry Saltzman, der Produzent von Dr NoFrom Russia with Love und Goldfinger, kaufte sofort die Filmrechte von Ipcress. Sie können den Anfang von The Ipcress File ➱hier lesen. Wenn Sie Goldfinger ganz lesen wollen, dann klicken Sie ➱hier. Das Photo zeigt Len Deighton (in der Mitte) neben Eva Renzi bei den Dreharbeiten von Funeral in Berlin. Rechts von ihm stehen ➱Michael Caine und Paul Hubschmid. Paul Hubschmid ist der längste. Das weiß ich, weil ich am Donnerstag 27. September 1962, in der Komödie am Kurfürstendamm bei dem ersten Auftritt von ➱Juliette Gréco in Deutschland hinter ihm gesessen habe.

Die Leser von Len Deighton fanden eine Figur wie James Bond einfach lächerlich – was sie ja eigentlich auch ist. Deighton hat sich zum Thema James Bond kaum geäußert, andere Kollegen waren nicht so zurückhaltend. ➱Nicolas Freeling, ein wesentlich besserer Schriftsteller als Fleming, bezeichnete dessen Romane als a bit of elegant masturbation. Und ➱John le Carré nannte sie cultural pornography. Und äußerte sein Missfallen gegenüber der Superman figure who is ‚ennobled‘ by some sort of misty, patriotic ideas and who can commit any crime and break any law in the name of his own society. He’s a sort of licensed criminal who, in the name of false patriotism, approves of nasty crimes. So richtig das ist, muss man aber auch sagen, dass das letztlich Argumente sind, die R. Austin Freeman schon 1924 in The Art of the Detective Story vorgetragen hat. Und die zwanzig Jahre später noch einmal George Orwell in seinem ➱Essay Raffles and Miss Blandish formuliert hat.

Ähnlich wie die Literaten und Literaturwissenschaftler äußerte sich auch ➱Nina Hibbin, die im Daily Worker in ihrer Filmrezension Goldfinger—Slickest: Bond’s Latest Film Repeats the Dose Daily den Film in Grund und Boden verdammte: The cult of James Bondism ist a vicious one, a symptomatic sickness of our age…. But this all one vast, gigantic confidence trick to blind the audience to what is going on underneath. But this is all one vast, gigantic confidence trick to blind the audience to what is going on underneath. The constantly lurking viciousness, and the glamorisation of violence — they are real enough…

Sie hatte Ähnliches schon zu den ersten Bond Filmen geschrieben, da hatte die jüdische Kommunistin (ohne die Ken Loach niemals hätte Kes drehen können) noch die Masse der high-brow Kritiker hinter sich. Jetzt ist die Front aufgeweicht. Leonard Mosley, der Filmkritiker des Daily Express tönte: Even for eggheads, I swear this film is worth a visit. Honor bright. My word is my Bond.

Und Roger Ebert schrieb: Of all the Bonds, ‚Goldfinger‘ (1964) is the best, and can stand as a surrogate for the others. If it is not a great film, it is a great entertainment, and contains all the elements of the Bond formula that would work again and again. Man kann die wichtigsten Positionen der Rezeption in James Chapmans seriösem und ausgewogenen Buch Licence to Thrill: A Cultural History of the James Bond Movies nachlesen. Er hat auch ein schönes Kapitel mit dem Titel Bondmania.

Mit den Bond Filmen rollte eine Vermarktungswelle an, die bis heute nicht abgeebbt ist. Es gab bei Moeris eine 007 Armbanduhr, und es gab ein 007 Rasierwasser (so etwas wird heute noch verkauft). Selbst in Deutschland tauchten James Bond Anzüge auf. Den ersten habe ich 1965 in einem Schaufenster des Kaufhauses DeFaKa gesehen. In England heuerte die Firma ➱DAKS/Simpson den Photographen ➱Helmut Newton an. Der photographierte dann Möchtegern Geheimagenten in DAKS Anzügen für eine aufwendige Werbeaktion in den colour supplements von Sunday Times und Observer. Ian Fleming hatte sich überreden lassen, im Rahmen dieser Werbekampagne als Geheimdienstchef M photographiert zu werden. In Frankreich lief bei Dormeuil eine ähnliche Kampagne. Mit einer gewissen Berechtigung, denn ➱Dormeuil Tonik war der Stoff, den Fleming für seine Anzüge bevorzugte.

Die Anzüge von Sean Connery waren das äußerliche Symbol für die völlige Transformation eines Menschen. Die Romanfigur von Ian Fleming war (wie Fleming selbst) natürlich ein Gentleman, Sean Connery war ein schottischer Proll. Der Geburtshelfer für den eleganten James Bond, der sich wie selbstverständlich im Londoner Clubland bewegt, alle Weinsorten kennt und seine Anzüge aus der Savile Row bezieht, war der Regisseur Terence Young. Wenn es einen James Bond gibt, dann ist er es. Ein Gentleman, der in Eton wie Ian Fleming – und der fiktionale Bond – gewesen war. Danach in Cambridge. Er war zwar kein Commander in der Royal Navy wie Ian Fleming und dessen Geschöpf James Bond, aber er war Offizier der Garde gewesen. Er schleppte Connery als erstes zu seinem Schneider Anthony Sinclair. Der Rest ist Geschichte. Nie hat der Satz Kleider machen Leute so viel bedeutet wie jetzt.

Es ist erstaunlich, was man alles mit dem Namen James Bond verkaufen kann. Besonders gut gefallen hat mir dieser Werbetext:  Ein halbes Jahrhundert lang beeindruckte James Bond die Welt. Eine unantastbare Legende – von Männern verehrt, von Frauen begehrt. James Bond ist die ultimative Ikone der Männlichkeit – die vollkommene Kombination von unwiderstehlicher Kultiviertheit und kompromissloser Männlichkeit. In James Bond 007 verbinden sich all diese Charakteristika auf gefährlichste Weise zu einem kraftvollen Duft, der jene Dualität versprüht, die Bond so außergewöhnlich macht: der Mix von Kultiviertheit und Männlichkeit. James Bond 007 ist der maskuline Duft für den Bond Mann. Der Duft ist natürlich sehr exklusiv. Man kriegt ihn bei Rossmann. Bevor Sie sich das Zeuch kaufen, sollten Sie hier den Post ➱Aftershave lesen.

Etwas mehr als für das Rasierwasser, wird man für die Teile von Duponts James Bond Collection auf den Tisch legen müssen. Das Hemd von Turnbull & Asser, das Sean Connery hier trägt, kann man noch kaufen. Kostet schlappe 245 Pfund Sterling. Ich weiß jetzt nicht mehr, wer mir letztens zugeflüstert hat, dass die Hemden von Turnbull & Asser nicht mehr aus der Jermyn Street, sondern aus Danzig von Emanuel Berg kommen. Da sind die Hemden bei ➱Rudolf Böll billiger. Und wahrscheinlich viel besser.

Den Smirnoff Wodka, den Bond hier trinkt, kann man natürlich auch kaufen. Aber – und das mag jetzt für viele wie ein Schock kommen – Bond Fans werden sich auf Heineken Bier umstellen müssen. Ich weiß jetzt nicht, ob die Plörre geschüttelt oder gerührt serviert wird. Die Filmfirma hat einen 28 Millionen Pfund Sterling Deal mit den Holländern gemacht, das war ein Drittel der Produktionskosten. Auf die Frage Did Fleming’s Meta-branding in the books have an impact on product placement in today’s movies and books? antwortete ➱Professor Chapman:

The answer is “Yes – and No”. The brand name products in Fleming’s books served a cultural-ideological purpose: as well as being indicators of snob value they can also be seen as reflecting the gradual emergence of Britain from a post-war culture of austerity (Casino Royale was published in 1953) to a culture of affluence. Today the ideological import of this is lost: I’ve met taxi drivers who wear Rolexes! The product placement in the films is more tied to commercial branding and has less obvious snob value: Aston Martin, yes, but Bond drinking Heineken in ‚Skyfall‘ is a mass-market rather than an exclusive product. This reflects the fact that the films are mass-market popular movies produced for the widest possible audience, whereas Fleming saw himself as writing for “the more sophisticated” type of reader.

Ich habe noch nie einen Taxifahrer gesehen, der eine echte Rolex trug (Fahrer mit Rolex Fälschungen am Arm sieht man häufig, die kaufen die en gros beim Thailand Urlaub und verticken sie hinterher an die Kollegen), aber ich hatte schon mal eine Rolex von dem Typ, den Connery in Dr No trägt, in der Hand. Was damals übrigens die Uhr des Produzenten Albert Broccoli war. Rolex (die Firma hat ➱hier einen Post) war zu geizig, der Filmfirma ein Exemplar für die Dreharbeiten zur Verfügung zu stellen. Das bereuen sie bis heute.

Wenn Bond in Casino Royale (2006) gefragt wird, ob er eine Rolex trüge, ist seine Antwort: Omega. Die Uhr aus dem Film war einem Sammler bei der Auktion von Antiquorum 215.000 Schweizer Franken wert. War noch originaler Dreck von den Dreharbeiten dran (Bild). Ich will lieber nicht sagen, was mein Uhrmacher dem Typen gegeben hat, der die alte Rolex, bei der die Lünette fehlte, beim Pokern gewonnen hatte.

Inzwischen ist uns allen klar, dass man James Bond nur noch am Leben erhält, weil man die Filme für das product placement braucht. Seit der Great Gatsby ➱Verfilmung von 1974 hat die Filmindustrie diese Einnahmequelle in großem Stil entdeckt. Wer sich in der ersten kommerziellen Bond Welle solch eine potthässliche James Bond 007 Uhr von Moeris wie die da oben gekauft hat, kann heute ein gutes Geschäft damit machen. Wenn meine Mutter den dunkelblauen James Bond Anzug mit den Geheimtaschen von meinem Bruder nicht zum Roten Kreuz gegeben hätte, wäre der heute vielleicht auch noch etwas wert.

James Chapman hat mit dem Satz the films are mass-market popular movies produced for the widest possible audience, whereas Fleming saw himself as writing for “the more sophisticated” type of reader natürlich recht. Schon vorher sagte John Adkins in The British Spy Novel in dem Kapitel Spies and the Class WarThe class issue has been one of the major concerns of British fiction this century. Die Welt Ian Flemings und seines Gentleman-Agenten bestand, um zwei Buchtitel zu zitieren, aus Snobbery with Violence (Colin Watson) und Clubland Heroes (Richard Usborne). Ian Fleming suggerierte dem Leser in seinen Romanen, er sei ein Teil der großen eleganten Welt. Aus dem Casino Royale der Romane ist (bildlich gesprochen) die Daddelhalle geworden, snobbery ist nicht mehr da, class auch nicht, dafür umso mehr violence. Die Bild Zeitung konnte vor Jahren titeln: Til Schweiger ist der „deutsche James Bond“. Darauf warten wir jetzt alle.

James Bond wurde bekanntlich am 11.11.1920 in Wattenscheid geboren. Den Film Skyfall (von dem ich letztens einen Teil im TV gesehen habe) hatte das einzige Kino von Wattenscheid nicht im Programm, da gab es die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann. Na ja, manche Kritiker fanden den Film auch grottenolmschlecht. James Bond nennt sich heute Daniel Craig und trägt wieder Anzüge, die wie die Anzüge von Anthony Sinclair aussehen. Er bereut es heute bitter, dass er mal den Decknamen Roger Moore verwendet und diese schrecklichen Klamotten getragen hat.

Auch der Name Pierce Brosnan, der BMW und die ➱Brioni Anzüge haben ihm nicht wirklich gefallen. Dass man ihn überredet hat, sich bei Facebook anzumelden, bereut er auch schon. Er kann seinen Ruhestand nicht wirklich genießen, immer wieder ruft M an (der inzwischen eine Geschlechtsumwandlung durchgemacht hat und nicht mehr Bernard Lee, sondern Judi Dench heißt) und will etwas von ihm. England expects that every man will do his dutyDas ist das Schicksal des hero with a thousand faces, das olympische citior, altior, fortior gilt erst einmal für sie. Wenn da irgendwelche kleinwüchsigen Amerikaner auf einer mission impossibile sind und sich das gut verkauft, dann müssen sie im nächsten Film noch besser sein. Das ist der Fluch der Superhelden, die ewig leben müssen.

Die Geister, die wir gerufen haben, werden wir nicht mehr los. Der Kinostart für den neuesten James Bond Film Spectre ist für November angekündigt. Sie können sicher sein, dass ich nicht darüber schreiben werde [was soll ich jetzt dazu sagen? das war im Januar]. Die halbe Stunde, die ich von Skyfall gesehen habe, hat mir gereicht. Heute vor fünfzig Jahren hatte der Film Goldfinger seine deutsche Premiere. Ian Fleming hat die Fertigstellung des Filmes nicht mehr erlebt.

An mir lief das (wie auch das ganze Genre ➱Fantasy) völlig vorbei. Ich habe den Film 1965 nicht gesehen. Der einzige filmische Geheimagent, den ich damals im Kino sah, hieß Lemmy Caution. Der trug wenigstens einen ➱Regenmantel, wie es sich für Geheimagenten gehört. Das taten auch Joel McCrea in Foreign Correspondent, Michael Caine in Ipcress und Richard Burton in The spy who came in from the cold. Sean Connery hatte als 007 keinen. Wenn England einen Agenten mit der Doppelnull in die Karibik oder nach Miami schickt, dann braucht der keinen Trench. Hier in Another Time, Another Place trägt Connery einen Aquascutum Kingsway, aber das ist natürlich kein James Bond Film.

Ian Fleming mag tot sein, aber der nächste James Bond Roman wird schon geschrieben (der letzte wurde von William Boyd geschrieben, er liegt bei mir noch irgendwo in der Mitte eines Bücherstapels). Von einem Mann namens Anthony Horowitz. Den kennen Sie vielleicht als Drehbuchautor von sechs Folgen von ➱Inspector Barnaby. Und – noch viel, viel besser – von 21 Folgen der ➱Serie Foyle’s War.

Horowitz hat über seinen Roman gesagt: It’s no secret that Ian Fleming’s extraordinary character has had a profound influence on my life, so when the estate approached me to write a new James Bond novel how could I possibly refuse? It’s a huge challenge – more difficult even than Sherlock Holmes in some ways – but having original, unpublished material by Fleming has been an inspiration. This is a book I had to write. Und weil es viel Geld bringt. Und wenn wir noch einen schönen Satz brauchen, wie wäre es mit dem schönen Satz: Une réception? A la bonne heure, ce sera l’occasion de porter mon smoking en alpaga. Sagt der Agent OSS 117 von Jean Bruce.

Falls Sie den Herrn hier nicht kennen sollten, das ist Barry Nelson als Jimmy Bond 1954 in Casino Royale (➱Peter Lorre war auch als Le Chiffre in dem 48 Minuten langen Film). Der ➱Smoking von Hubert Bonisseur de la Bath sitzt besser als der von Jimmy Bond (auch beim ➱Tanzen). Der mit den Worten von Macbeth zu fragen scheint: why do you dress me in borrow’d robes? So hat alles angefangen. Der Rentner in Wattenscheid ist nicht besonders stolz auf diese Verkleidung.

post scriptum: Dies stand schon im Netz, da fiel mir ein Gedichtband von Frank Schulz (dem Autor des Klassikers Kolks blonde Bräute) in die Hand, aus dem ich noch eben ein kleines Gedicht zitieren möchte:

Geschürt, nicht gerüttelt


Sein Name ist Bond,

James Bond. 

Das Girl, es ist blond,

schön blond.

Jawohl, Bond ist Schond.

Na ond?

Der Wiedergänger James Bond taucht auch in diesem Blog immer wieder auf. Wenn Ihnen nach noch mehr Bond zumute ist, dann könnten Sie auch noch lesen: MetropolisIan FlemingBachs CellosuitenSecret AgentsScotland foreverJames Bond007GoldfingerSir Thomas Sean ConneryCathy GaleBond GirlDaliah LaviBrittGeorge Spencer WatsonChristine KeelerSchmutzige LyrikJohn le CarréEric AmblerNicolas FreelingIntertextualitätKingsley AmisRitterRoyal Flying CorpsKyritz an der KnatterLaurence HarveyUli BeckerHaikuKingsmanOperation MincemeatKen AdamSiegfried SchürenbergAgentenmodeFilm und ModeEnglische Herrenschuhe (London)StilBlazerInspector Barnaby und die ModeJankerRoyal Flying CorpsAufklärungTalsperrenPlayboyGothickFantasy

Easybox

Oktober 8, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Da brauchen Sie überhaupt nichts zu machen. Sie schließen die Easybox an, und die saugt sich alle Daten runter, sagt die junge Frau mit der netten Stimme am Telephon. Die klingen immer nett am Telephon, auf den Werbephotos haben sie auch immer ganz weiße Zähne. Ich glaubte ihr kein Wort. Vodafone hat meinen Tarif umgestellt (und den von Millionen anderer Kunden). Hat irgendetwas mit der Telekom und Glasfaserkabeln zu tun. Und man bekommt dann einen wahnsinnig schnellen Anschluss, aber von den ganzen Kilobits, Upstream und Downstream verstehe ich eh nichts. Wahrscheinlich kann man zweistündige Filme in einer Stunde sehen, und ich blogge dann doppelt so schnell. Ich habe mir die telephonischen Sirenengesänge angehört, der jungen Dame aber am Schluss des Gesprächs gesagt, ich würde kein Wort davon glauben, was sie mir da erzählt hat.

Früher war ich bei Arcor, jetzt bin ich bei Vodafone. Da frisst ja heute einer den anderen, und hinterher heißt es: Raider heißt jetzt Twix. Vodafone hatte vor Jahren schon Mannesmann geschluckt. Mit einem Kaufpreis von 172 Milliarden US-Dollar eine der größten Übernahmen des Marktes. Das hostile takeover war irgendwie auch ein klein wenig kriminell, denn im Zusammenhang mit dieser Übernahme landete eines Tages dieser Herr vor Gericht. Um dort das berühmt gewordene Zeichen zu machen, das vor ihm schon ➱Winston Churchill und Michael Jackson gemacht hatten. Und um zu sagen: Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen.


Man könnte diesen Worten die Zeilen eines ➱Größeren entgegenhalten, der da dichtete:

O dieses gräßliche Gesindel,
Das Börsenspekulanten heißt!
Spitzbuben mit dem Diebwerksbündel,
Auswurf von eklem Höllengeist!
Es überkommt uns schon ein Schwindel,
Wenn man auf ihre Namen weist.

Mit Mannesmann kaufte Vodafone auch die Uhrenfabrik IWC Schaffhausen. Die hat nun eigentlich gar nichts mit Telephonen zu tun, und dass sie zu Mannesmann gehörte, war das Resultat von dem Monopoly Spiel der Konzernübernahmen. Denn die IWC war in den siebziger Jahren zusammen mit Jaeger LeCoultre und Favre-Leuba (seit dem 18. Jahrhundert im Familienbesitz) von der deutschen VDO Adolf Schindling gekauft worden. Die Zeit der privaten Eigentümer war vorbei. Favre-Leuba war acht Generationen im Familienbesitz gewesen, die IWC seit 1905 in der Hand der Hombergers. Jetzt kommen die großen Konzerne. Die Fabriken waren billig zu haben, es ging der Schweizer Industrie damals schlecht. Die Quarzkrise veränderte die Uhrenwelt. LeCoultre baute Instrumente für das Auto (in dem Geschäft waren sie, ähnlich wie die englische Firma ➱Smiths, schon lange), mein alter Peugeot hatte Tacho und Uhr von LeCoultre. Und Patek war damals froh, wenn sie elektrische ➱Mutteruhren verkaufen konnten.

Als meine Yacht Club 1 gebaut wurde, war die IWC noch nicht in deutscher Hand, das Modell wurde aber noch gebaut, als VDO die Firma kaufte. Es war ein Bestseller der IWC, was bedeutet, dass in zehn Jahren nicht einmal 50.000 davon gebaut wurden. Das Edelstahlband ist übrigens von der Firma Gay Frères (das gleiche ist auch an der alten IWC Ingenieur). Am Beispiel der renommierten Firma Gay Frères, die Schmuck und ➱Armbänder herstellt (und neuerdings ➱Rolex) gehört), habe ich einmal gesehen, was eine Übersetzungsmaschine anrichten kann. Sie ahnen schon, was dabei herauskommt, wenn man diesen Firmennamen ins Deutsche übersetzt. Richtig: schwule Brüder.

Der vom Pferdesport begeisterte Adolf Schindling war bei der Übernahme der Schweizer Uhrenfirmen schon lange tot, die Firma wurde jetzt von seiner Tochter geführt. Einer Frau, die damals jedermann kannte, denn Liselott Linsenhoff hatte in München mit ihrem Hengst Piaff eine Goldmedaille in der Dressur gewonnen. Die Alleinerbin hat 1991 die ganze Firma an Mannesmann verkauft. Zehn Jahre später kam dann Vodafone, und bei der Filetierung des Mannesmann Konzerns landete die IWC im Richemont Konzern des Südafrikaners Johann Rupert. Und nach diesem kleinen Exkurs durch die Geschichte des neueren Kapitalismus, komme ich mal wieder auf meine Internet- und Telephonverbindung und die neue weiße Easybox zurück, die mir die Firma Vodafone inzwischen zugeschickt hatte. Kinderleicht anzuschließen. Saugt sich alle Daten selbsttätig runter.

Glücklicherweise war Matthias im Lande. Der ist eigentlich studierter Meeresgeologe, arbeitet aber jetzt für das Fernsehen und dreht und schneidet Filme von allen möglichen Ereignissen in der Welt. Wenn der FC Bayern in Katar ist oder irgendwo eine Fußball- oder Handball Weltmeisterschaft oder etwas Ähnliches ist, dann wissen Wanda und ➱Carlo, dass sie Papa jetzt längere Zeit nicht sehen. Für den Matthias ist das Anschließen einer Easybox anstelle meiner alten Arcor DSL Starterbox ein Klacks. Also kam er vorgestern, als ich kein Telephon und kein Internet mehr hatte, freundlicherweise vorbei, wie wir das verabredet hatten.

Wir stöpselten den weißen Zauberkasten korrekt ein, und nach einer kurzen Phase blinkte alles, was blinken sollte. Aber das Teil saugte natürlich keinerlei Daten runter. Wie das fleischfressende Monster in ➱Little Shop of Horrors sagte es: Feed me! Es wollte mit einem Modem Installations Code (MIC) gefüttert werden. Haben wir getan. Alle mir zugeschickten Passwörter und Kennwörter hatte ich gut leserlich auf dem Schreibtisch liegen. Matthias war überrascht, dass wir schon im Internet waren. Das hatte ich schon eine Minute vorher gemerkt, weil man im Dock sehen konnte, dass die ersten E-Mails eingetrudelt waren. Ich sagte ihm, dass das wahrscheinlich daran läge, weil ich schon nach dem Frühstück in den internetmäßig toten Computer den neuen Account Namen und das neue Kennwort bei der Systemeinstellung Netzwerk des Mac eingegeben hatte.

Aber da war noch diese eine Vodafone Seite, die ausgefüllt werden wollte. Mit dem Kennwort. Wir tippten das zugeschickte Kennwort ein. Fehlermeldung. Wir probierten alle übersandten Kennwörter. Zehn Minuten Fehlermeldungen. An dieser Stelle würde das HB-Männchen an die Decke gehen. Ich rief die Vodafone Hotline an. Fünf Minuten diese fiese Musik, die einen beruhigen soll, aber einen garantiert noch nervöser macht. Dann aufgelegt. Nächster Versuch. Diesmal bekamen wir eine nett klingende junge Frau, sie sind ja immer so nett. Matthias schilderte ihr das Problem. Sie hatte sofort eine Lösung, wir sollten in die erste Spalte root und in die nächste Spalte 123456 eintippen. Wir bedankten uns. Beide. Und Matthias tippte die neuen Kennwörter ein. Fehlermeldung. Ich überlegte, ob jetzt der Moment sei, um beruhigende Musik einzulegen. Also zum Beispiel den Gesang der ➱Buckelwale.

Die mitgelieferte Bedienungsanleitung war eigentlich durchaus verständlich. Da stand kein Fachchinesisch wie bei der Telekom: An Ihrem Speedport W 502V sind eine individuelle SSID und die Verschlüsselung WPA/WPA2 mit Preshared Key voreingestellt. Die Daten finden Sie auf dem Typenschild auf der Unterseite des Gerätes (SSID und Pre-Shared Key (PSK)). Alles klar. Was uns fehlte, war das ominöse Kennwort. Diese Anleitung zur Installation hört da auf, wo es interessant wird. Wir beschlossen die Seite einfach nicht auszufüllen, Internet und E-Mail funktionierten ja. Matthias wollte noch das WLAN abschalten und suchte an der Easybox nach dem Schalter. Und las dann auf dem kleinen Typenschild auf der Rückseite der Easybox ein Kennwort. Tipp das mal ein, sagte er. Ich tippte. Es war das Zauberwort: Sesam Öffne Dich. Warum kann die Firma das nicht klar und deutlich sagen? Warum erzählen sie einem nicht, dass das hier gebrauchte Kennwort nicht das übersandte Kennwort ist?

Bei meinen E-Mails liegt seit Wochen eine Mail, die Ihre Meinung ist uns wichtig betitelt ist: Lieber Vodafone-Kunde, wir von Vodafone sind staendig bemueht, die Wuensche und Beduerfnisse unserer Kunden zu erfuellen. Damit uns dies auch zukuenftig gelingt, moechten wir gerne wissen, ob Sie mit Ihrem letzten Kontakt mit Vodafone zufrieden sind. Wir wuerden uns freuen, wenn Sie uns ueber den nachfolgenden, kostenlosen Link Ihre Meinung mitteilen. Was soll ich da bloß schreiben?

Bei YouTube gibt es übrigens ein ➱Video zu Installation der Easybox 804, da ist alles richtig. Auch die Sache mit dem Kennwort. Geht doch. Natürlich nicht, wenn man gerade kein Internet hat.

Constellation de Luxe

August 19, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe sie wieder, die kommt jetzt wochenlang nicht mehr von meinem Arm. Sie war beim Uhrmacher, es ist eine lange Geschichte. Die Uhr in der Abbildung ist natürlich eine alte Omega Constellation, das erste Modell, das Omega nur als Chronometer baute. Steht auch auf dem Zifferblatt: Chronometre Officially Certified. Bis 1951 durften Uhrenfabriken die Prüfung noch im eigenen Hause vornehmen, aber dann mussten alle Uhren eine Prüfung beim COSC (Contrôle officiel suisse des chronomètres) über sich ergehen lassen, damit die Aufschrift Chronometre Officially Certified ihr Zifferblatt zieren durfte. Viele Hersteller von Präzisionsuhren fanden diesen etwas angeberischen Schriftzug (mit dem Rolex penetrant warb) eh prollig und kamen nicht auf die Idee, Chronometer auf ihre Uhren zu schreiben. Obgleich sie es sicher waren.

Omega hatte schon vorher Chronometer gebaut, aber die waren nicht für den Handel, sondern nur für die jährlichen Wettbewerbe vorgesehen. Welche Omega nach dem Zweiten Weltkrieg neben Zenith beinahe immer gewann. Rolex stieg da irgendwann aus, weil sie die nie mehr gewannen. Das Werk, das den guten Ruf von Omega festigte, hieß 30T2, die Zahl dreißig bedeutet schlicht, dass das Werk dreißig Millimeter groß ist. Kleiner sollte ein Werk nicht sein, Sie könnten jetzt mal eben den Post Precision Class lesen, dann wissen Sie weshalb. Die Abkürzung T2 bezieht sich auf die Weiterentwicklung des Werkes (T steht für transformation). Später bekam das Werk eine schlichte Kalibernummer wie zum Beispiel 260, Sammler haben aber lieber eins, auf dem noch 30 T2 steht.

Omega hatte zur Hundertjahrfeier der Firma im Jahre 1948 einen Chronometer herausgebracht (Eterna sollte in den fünfziger Jahren seine Centenaire auf den Markt bringen), es gab allerdings nur 1.948 Exemplare. Die Uhr besaß einen automatischen Aufzug vom Typ des Hammerautomats, allerdings noch keine Zentralsekunde. Automatikuhren mit kleiner Sekunde sind heute relativ selten. Das IWC Kaliber 81 hat leider niemand je photographiert, deshalb gibt es auch kein Bild von dem Werk. Am preiswertesten wird eine Automatik mit kleiner Sekunde (wenn man als so etwas sucht) bei der Firma Bifora zu finden sein, ihr Kaliber 103 war 1950 das erste deutsche Automatikwerk.

Das Omega Kaliber 28.10T1 RA PC RG wurde 1949 in Kaliber 343 umbenannt, die Kaliberfamilie 330 wurde noch lange gebaut. Später natürlich auch mit Zentralsekunde. Omega hat lange an seinen Hammerautomaten festgehalten (die Schwesterfirma Tissot auch), zu der Zeit bauten die ➱IWC oder Eterna längst Uhren mit Rotorautomatik. Die übrigens, technisch gesehen, die besten Automatikwerke waren, die in der Schweiz je gebaut wurden.

Das Werk der Eterna-Matic Centenaire steckt heute noch als ETA Kaliber in den meisten Automatikuhren, die in der Schweiz hergestellt werden. An diese Werke reichte nur Omegas Kaliberfamilie 550 (Bild) heran, mit der die Firma in den sechziger Jahren die sagenhafte Zahl von 100.000 geprüften Chronometern in direkter Reihenfolge erreichte. Damit wurde Omega bei den geprüften Chronometern die Nummer Eins der Schweiz und ließ Rolex hinter sich.

Das Gehäuse der ersten Constellation tendiert zu einem Stil, den Uhrensammler gerne etwas ironisch als Genfer Barock bezeichnen. An den Bandanstößen konnte man noch die Reste einer Ende der vierziger Jahre sehr beliebten Form erkennen, die man gemeinhin als ➱Fuchsohren bezeichnet. Ich illustriere das mal eben mit einer Certina Labora aus dieser Zeit. Das ist nicht jedermanns Sache, aber erstaunlicherweise tauchen diese Fuchsohren (englisch: fancy lugs) auch später noch auf. Ich habe eine IWC Automatik aus Edelstahl von 1962, die bauhausmäßig cool ausschaut. Bis auf die Fuchsohren.

Die seltsamen Bandanstöße der Jubiläumsuhr wurden auch für die Constellation verwendet, die Omega 1952 einführte, sie sind über die Jahre etwas modifiziert worden. Sammler schätzen jedoch die Gehäuse des ersten Jahre höher ein als die designmäßig kalten Constellations der siebziger Jahre. Amerikanische Sammler sind wie wild hinter den Modellen her, die ein Zifferblatt haben, das wie ein umgedrehtes Kuchenblech aussieht. Heißt im Englischen pie pan dial und verteuert den Preis der Omega sofort. Die Constellation gab es in den ersten Jahren immer im gleichen Gehäuse. Immer als Chronometer. Immer als Automatik, zuerst mit der Pendelschwungmasse, dann ab mit Rotoraufzug.

Den Boden des Gehäuses ziert immer das Genfer Observatorium. Und acht Sterne (ein neunter Stern ist immer auf dem Zifferblatt). Man kann hierbei auch etwas aus den Sternen lesen, wenn alle acht mit ihren Umrissen scharf zu erkennen sind, spricht das für den Zustand des Gehäuses. Wenn da weniger als acht Sterne sind, dann ist der Gehäuseboden zu oft an die Schwabbelscheibe gehalten worden. Aber es wird immer den Flohmarkthändler geben, der Ihnen versichert, eine Omega mit nur vier Sternen sei etwa ganz Besonderes.

Omega hat, wie schon oben gesagt, länger als die Konkurrenz an der Pendelautomatik festgehalten. Die ja auch generell gesehen recht zuverlässig ist. Morgens umbinden, Kaffee (oder Tee) eingießen und in der Zeitung blättern – und schon läuft sie. So etwas Ähnliches bekam der englische Feldmarschall Montgomery auch zu hören, als er nach dem Krieg die Omega Fabriken in Biel besuchte und eine Hammerautomatik geschenkt bekam: Il faut se lever de bon heure et bien se secouer. Monty, der den ganzen Krieg über eine Omega (mit einem Omega Kaliber 30T2) trug, wollte mit seinem Besuch 1947 (den er übrigens 1949 wiederholte) anerkennen, dass die Firma Omega (die die Wehrmacht nie mit Uhren belieferte) der zuverlässigste Uhrenlieferant für die Engländer im Zweiten Weltkrieg gewesen war.

Dieses Kaliber 352 ist eine Weiterentwicklung des 28.10T1 RA PC RG. Man kann die simple Konstruktion der mit einer Schraube festgehaltenen Feder (die zum schnellen Bruch neigte) nicht mehr erkennen. Die Feder ist jetzt unverschraubt in eine Art Tunnel eingelegt. Das Werk ist mit der Aufschrift adjusted five (5) positions and temperatures verziert, die sich zusammen mit der Zahl der Steine auf allen Constellation Werken findet. Wie man an eine solch luxuriöse Uhr ein billiges Russenband schrauben kann, das weiß ich wirklich nicht.

Der kleine Türke hat ’ne goldene Omega, will er zum Goldpreis verkaufen, sagte mir mein Uhrmacher vor Jahren. Der Uhrmacher mag den kleinen Türken, der einen Laden für Gold und Geschmeide aller Art hat, überhaupt nicht. Der hatte schon mehrfach versucht, ihn über den Tisch zu ziehen, aber als er Weihnachten eine nicht funktionierende Omega für lau reparieren sollte, war es zu Ende mit jeder Freundlichkeit. Ich habe ihm gesagt, dass man die nicht mehr reparieren kann, sagte mir der Uhrmacher, in Wirklichkeit ist da nichts dran. Ich wusste, dass wenn ich jetzt bleiben würde, ich ein weiteres Kapitel aus dem Epos des Kleinkriegs zwischen ihm und dem Türken hören würde und sagte, dass goldene Omegas nicht mein Ding sind. Ich hatte schon die Ladentür in der Hand, als ich den Satz hörte: Die hat so seltsame Bandanstöße.

Seltsame Bandanstöße? Sollte es eine der ersten Constellations sein? Eine Viertelstunde später war ich bei dem Türken. Ich kaufte die goldene Connie (18 Karat) zum Goldpreis von dreihundert Euro. Es war übrigens keine einfach Constellation, es war eine Constellation de Luxe, bei der sind Zifferblatt und Zeiger auch aus Gold. Aber das habe ich erst später gemerkt, als sie mir gehörte und ich alle Zahlen im Gehäuseboden (einem wasserdichten Druckboden) lesen konnte. Wie zum Beispiel den Herstellercode, der einem verrät, dass das Gehäuse von Antoine Gerlach in Genf hergestellt wurde. Seit 1934 müssen Schweizer Golduhren mit dem poinçon de maître markiert sein, Sammler können sie heute leicht über eine Tabelle wie ➱diese identifizieren. Omega besaß zwar Aktienanteile an Gehäusefabriken wie Maeder-Leschot, aber bei diesem Modell vertraute man bei den Golduhren doch auf den Spezialisten, der in den vierziger und fünfziger Jahren beinahe alle goldenen Calatravas für Patek gebaut hat.

Leider stand Omega nicht zu dem originalen Gehäuse der Constellation, dem angeblichen Zeitgeschmack folgend veränderte sich das Gehäuse laufend. Man konnte der Uhr nichts mehr ansehen, dass sie ein Chronometer war. Vielleicht war das ein Fehler, denn viele Uhren leben durch den Wiedererkennungswert. Wie Rolex, die Junghans Max Bill oder Jaeger-LeCoultres Reverso. Oder die Uhr von Nomos, die eine schamlose Kopie einer alten Uhr von Lange aus den dreißiger Jahren ist. Als Omega diese Uhr hier auf den Markt brachte, war der Tiefpunkt des industriellen Designs erreicht. Aber diese Constellation war eh eine Quarzuhr, und in der Zeit der Quarzuhren gab es ja bekanntlich sowieso keinen guten Geschmack mehr.

Das Werk in meiner Uhr ist das Kaliber 501, das erste Rotorwerk von Omega. Es hat 19 Steine und eine Glucydur Unruh noch mit Schrauben, die modernere glatte vierschenklige Unruh sollte erst mit dem Kaliber 551 kommen. Sie können das Werk ➱hier bei der Arbeit sehen, die Unruh schwingt allerdings nicht ideal. Das Werk hat eine Schwanenhals Feinregulierung, nicht mehr diese Feinregulierung, die das Kaliber 352 und das 30 T2 der Jubiläumsausgabe hatten. Irgendwann gab es die Connies auch mit Datumsanzeige, aber das ist etwas, was diese Uhr wirklich nicht braucht.

Mein Uhrmacher hat die Uhr damals im Handumdrehen wieder zum Leben erweckt. Und hat ihr auch ein neues Originalglas (mit dem winzigen eingeschliffenen Ω in der Glasmitte) und eine neue Originalkrone besorgt. Er wurde damals noch von Omega mit Ersatzteilen beliefert, auf die Idee käme Omega heute nicht mehr. Die binden jetzt eiskalt – wie Rolex das vorgemacht hat – den ganzen Service an das Werk in Biel. Selbst Omega Konzessionäre klagen darüber, dass sie kaum Ersatzteile bekommen. Auch Furniturenhändler wie Rudolf Flume (deren Kataloge für den Uhrensammler unverzichtbar sind) können dem kleinen Uhrmacher kaum noch helfen. Natürlich gibt es einen grauen Markt, auf dem man beinahe alles bekommen kann (sogar ganze

Rolex Werke), aber das kostet.

Ich weiß nicht, was mich bewogen hatte, die Uhr zu Mahlberg zum Service zu bringen. Ich wollte ihr mal was gönnen, obwohl sie gut ging. In den fünfziger Jahren empfahlen die Präzisionsuhrenfabriken einen zweijährigen Service, aber es gibt heute Öle, die nicht so schnell verharzen. Mein Uhrmacher hatte seinen Laden dicht gemacht, er war es leid, immer nur Batterien für Quarzuhren einzubauen. Früher hatten sie bei Mahlberg einen Meister aus Sachsen, der Burkhard Weißflog hieß. Er war ein Verwandter von dem Skispringer, jeder fragte ihn das. Er war ein hervorragender Uhrmacher, der auch den Kontakt zum Kunden liebte. Man konnte mit ihm alles besprechen. Und wunderbaren Gesprächen mit Kunden zuhören. Wenn er den sonnengebräunten Sugardaddies mit ihren Goldkettchen und ihren Thailand Rolexes höflich erklärte, dass er vielleicht nicht mehr in der Lage sei, den Boden der Uhr nach dem Batteriewechsel wieder zu verschließen. Weil dies ein ganz billiges Imitat einer Rolex sei. Wenn man das Ego eines Thailandtouristen zerstören will, dann macht man das so.

Heute redet kein Uhrmacher mehr mit dem Kunden. Heute ist alles anders. Weißflog ist nicht mehr da, der hat jetzt einen kleinen Laden und graviert Pokale. Die Uhrmacher, die man auf der Homepage bewirbt, werden jetzt im ersten Stock versteckt, denen kann man nicht mehr sein Leid klagen. Das ist wie bei den Autowerkstätten. Da kriegte man morgens die ölverschmierte Pfote vom Meister und sagte ihm, was dem Auto fehlte. Heute sitzen da Sekretärinnen, die mit manikürten Fingern irgendwelche Dinge in den Computer tippen. Das funktioniert nach dem bekannten Prinzip der Stillen Post, der Meister wird sich schon irgendwas dabei denken, was er zu reparieren hat.

Ich bekam meine Constellation zurück, erfuhr dabei, dass sie für die Revision den gleichen Preis nehmen, den Omega in Biel nimmt (müssen sie angeblich, weil sie Omega Händler sind). Alles war gut. Aber nicht lange, ein halbes Jahr später war die Constellation wieder beim Uhrmacher. Sie bekam ein neues Räderwerk, ein neues Federhaus, aber sie ging nach wenigen Monaten schlechter und schlechter. Und so ging das Jahr für Jahr. Der Uhrmacher (vorausgesetzt, es ist immer derselbe) kann ja Uhren reparieren, meine alte Zenith Defy (Bild) zum Beispiel, läuft nach fünf Jahren noch wie eine Neuuhr. Die Zenith AF/P, der Schnellschwinger mit 36.000 Halbschwingungen, läuft perfekt. Nur der Omega Chronometer nicht, der schwächelte vor sich hin. Irgendwann legte ich die Omega in eine Schublade.

Wo ich sie im Frühjahr wiederfand. Ich zog sie auf und trug sie einen Tag. Vielleicht hatte sie sich in der Dunkelheit der Schublade ja erholt? Nichts davon, sie verlor in 24 Stunden zwanzig Minuten. Eine billige alte Junghans aus den fünfziger Jahren geht besser. Ich guckte mir das chronometrische Desaster zwei Tage lang an, dann ging ich zu Mahlberg. Wo ich mit diesem Herrn ein längeres Gespräch hatte. Das ist Tim Kleinfeld, der Geschäftsführer, der liest sogar manchmal meinen Blog. Heute bestimmt. Unser Gespräch über alte Uhren im allgemeinen und diese Omega im besonderen dauerte länger als eine halbe Stunde, Tim Kleinfeld nimmt sich Zeit für die Kunden. Auch wenn sie Meckerer wie ich sind.

Ich bekam die Omega sechs Wochen später wieder. Kostete nix. Konziliant und kulant sind sie da schon. Auf dem Auftragezettel mit dem die Uhr vom Uhrmacher nach unten gekommen war, stand Läuft von Freitag bis MontagDen Rest der Woche nicht? fragte ich Herrn Kleinfeld. Der war genauso irritiert wie ich. Nahm erstmal Rücksprache mit dem Uhrmacher, und erklärte mit dann, was sich hinter dem kryptischen Satz verbarg. Der Uhrmacher hatte die Uhr auf dem Uhrbeweger gehabt und den am Freitagabend abgestellt. Danach war die Uhr bis zum Montagmorgen gelaufen, was bedeutet, dass das Federhaus in Ordnung ist und die Uhr auch ordnungsgemäß aufzieht. Ich bekam auch noch gesagt, dass die Amplitiude der Unruh 280 Grad sei. 280 Grad ist ein sehr guter Wert für eine Uhr, die beinahe sechzig Jahre alt ist. Wäre natürlich auch schön, wenn man dem Kunden mal das Gangprotokoll der Zeitwaage (das ist für die Uhr so etwas wie das EKG fürs Herz) ausdrucken würde.

Fünf Wochen ist sie jetzt an meinem Arm, sie hat in dieser Zeit knapp eine Minute gewonnen. Mit einem solchen Ergebnis würde sie heute in der Schweiz jederzeit ein Chronometerzeugnis bekommen. Mein Dank geht an den Uhrmacher. Die irritierende Frage aber bleibt: warum ging das nicht vorher? Ach ja, wie der Dichter sagt: Des Menschen Engel ist die Zeit.

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