Zenith

Mai 17, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Manfred Rössler: Zenith – Präzisionsuhren seit 1865 . 118€

Jeder Sammler möchte dieses Uhrwerk haben, das Chronometerkaliber 135. Ist so gut wie unbezahlbar geworden. Da muss man schon zu dem Nachbau aus der Sowjetunion greifen.

Das ist (bis auf die Zentralsekunde) vom Aufbau her das gleiche Werk, allerdings ist die Feinbearbeitung wie bei allen Russenwerken ein wenig rustikal.

Die Marke Zenith ist ein wenig die graue Maus unter den Präzisionsuhrenherstellern der Schweiz gewesen. Während es für die Produkte von Omega monstermässige Bildbände gab (leider sind beide Bücher von Marco Richon schon wieder vom Markt verschwunden) und es über die Marke Rolex (die so gerne zum Club der wirklich feinen Hersteller gehören möchte) eine Unmenge von Publikationen gibt, mussten Uhrensammler der Marke Zenith bisher auf ein voluminöses Buch über ihre Lieblingsmanufaktur verzichten. Das hat sich jetzt mit dem Erscheinen des Buches von Manfred Rössler geändert, auf 328 reich illustrierten Seiten werden alle wichtigen Modelle aus der langen Geschichte von der Uhrenmarke mit dem Stern präsentiert.

Deren Firmengründer hatte sich nach dem Besuch der Weltausstellung in Philadelphia 1876 das Ziel gesetzt, die Qualität der amerikanischen Uhren erreichen zu wollen. Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, dass die Amerikaner zu dieser Zeit die Nummer Eins in der Produktion von Qualitätsuhren waren. Nicht die Schweiz. Die hatte damals (einige Luxusmarken ausgenommen) die Funktion, die die Japaner später bekamen: sie kopierten amerikanische Taschenuhren.

Georges Favre-Jacot erreichte sein Ziel schnell, der erste Firmenname Billodes wich dem einprägsamen Zenith. Obgleich Zenith alle Uhrentypen baute und nicht auf die Herstellung von Chronometern spezialisiert war, hält die Marke mit über 1.500 Genauigkeitsrekorden den ersten Platz auf dem Gebiet der Präzision. Omega hat sehr viel weniger an Rekorden zu bieten und Rolex rangiert unter „ferner liefen“. Ich weiß, dass dieser Satz Rolex Freunden jetzt wehtun wird. Aber Rolex wußte schon, weshalb sie jahrzehntelang Zenith-Werke in ihre Daytonas eingebaut haben.

Zenith Sammler werden dem Autor für dieses Buch (für den Preis des Buches von 118 Euro konnte man vor Jahren noch eine gute Zenith auf dem Flohmarkt bekommen) dankbar sein. Die Dankbarkeit gilt aber nur für den Bildteil. Der redaktionelle Teil über Firmengründer und Geschichte der Firma ist mit 14 Seiten erschütternd dürftig. Bei einer solchen Firmengeschichte und solch wunderbaren Uhren hätte man ja wohl ein bisschen mehr schreiben können.

Das berühmte Chronographenwerk El Primero (oben) baut Zenith noch heute, aber leider sehen die Zenith Uhren in den letzten Jahren monströs und scheußlich aus. Angeblich will der asiatische Markt das so. Warum bauen sie für den europäischen Markt nicht mal schöne zurückhaltende Uhren? Vor einem halben Jahrhundert konnten sie das.

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